Der Schmerz des Tages

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vantage84
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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von vantage84 » Fr 5. Aug 2011, 20:42

@sippe: Ach du je. :o Was es auch ist, ich wünsche dir eine gute und schnelle Genesung.

Ich habe heute das Kunstwerk vollbracht, mich beim Bergzeitfahren (!) zu legen. Mit Tempo 50 den Grenzbereich in einer Kurve überzogen und die Ganzkörperbremse gemacht. Neben einem dicken Kinn und schmerzenden Rippen musste ich mit meiner linken Hand wieder genau auf die im Frühjahr gebrochene Stelle fallen. Ich hoffe dieses mal ist es nur eine schmerzhafte Prellung.
Wenigstens durfte ich ein zweites mal starten. Leider war dann die Luft etwa raus.

Aber das ist ja nichts, wenn man die Andeutungen über sippe so liest.



Gruß

Frank
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If it's not on Strava, it didn't happen.

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sippe
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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von sippe » Do 11. Aug 2011, 02:14

Dann will ich mal versuchen die Ereignisse der letzten Tage zusammenzufassen:

Der Unfall:
Am Mi, den 27.7. war wieder "Tempelrennen" angesagt. Es war das erste Rennen nach dem 6-Tagerennen und ich fühlte mich mittlerweile recht heimisch auf der Bahn. Eine gewisse Vorfreude war schon den ganzen Tag zu spüren. :-)
Bei den ersten beiden Wertungen sprintete ich noch munter mit, merkte aber schnell, dass es für weitere Attacken viel zu warm ist und der Pollenflug mir im oberen Drehzahlbereich reichlich zusetzte. Im Feld "mitrollen" war aber weiterhin möglich. In Runde 70 wurde dann eingangs der Zielkurve eine derbe Welle gefahren, die ich nur aus dem Augenwinkel wahrnahm. Ich war zu diesem Zeitpunkt im unteren Bereich der Kurve am Hinterrad von Keller. Der musste aufgrund des ungestümen Manövers hart bremsen und nach links ausweichen. Ich wich auch aus, konnte aber nicht schnell genug weg, sodass die Speichen meines Vorderrades in den Schnellspanner von Kellers Hinterrad kamen. Mein Vorderrad blockierte sofort und ich ging über den Lenker. Die Landung erfolgte unsanft auf Kopf, Schulter und Rücken. Schmerz und erst einmal liegen bleiben, durch-atmen! Im Gegensatz zum letzten Sturz 6 Wochen vorher habe ich dieses mal alles "mitgeschnitten" und kann mich rel. gut erinnern... Hilfe von Frau Götze, einem Senior, einem Speiche-Fahrer, Charlie und Chrissi kam schnell. Peso orderte mir ein "Taxi" (=Kristin) in die Notaufnahme.

Die Diagnose:
In der Notfallaufnahme wurde geröntgt und S43.1 = Schultereckgelenksprengung diagnostiziert. Also zumindest nix gebrochen, versuche ich mir Mut zu machen. Die Diagnose kam mir bekannt vor, also rief ich Mi67 an und er gab mir die entscheidenden Tipps für die nächsten Schritte.

Im Krankenhaus:
Die 2-Tight-Rope OP in Berlin sollte es auch bei mir werden. Dabei werden die gerissenen Bänder in der Schulter durch hochfeste Nylonfäden ersetzt und so das Schlüsselbein wieder in die vorgesehene Position gebracht. Am Donnerstag klingelte ich also bei den Schulterexperten in der Charitè sturm und ich hatte Glück: Freitag 9Uhr konnte ich den vor-stationären Teil absolvieren und danach stand mein OP-Termin für Montag 7Uhr fest. Das hieß, dass mich mein Bruder, der mich schon am Freitag gefahren hat, ca. 4Uhr in Leipzig abholte und pünktlich 6Uhr konnte ich Meldung auf Station 16 machen. Ich bekam mein Leibchen an, ne Beruhigungspille und dann ging es irgendwann runter in den OP. Halb benebelt und bereits das Brennen des Narkosemittels im linken Arm spürend, hörte ich den Anästhesisten noch sagen: "Den ISK (=Schmerzkatheter, um den Nerv zur Schulter/Arm lokal zu betäuben) brauchen "wir" nicht - das geht auch ohne..." - Rückblickend aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung!
Dunkelheit.

Nach der OP:
Aufwachraum. Es ist hell. Ich kann die Uhr sehen: 9Uhr. Ok, der Schmerz kommt von der rechten Schulter - also wurde schon mal an der richtigen Stelle operiert, denke ich mir noch so :daumen: Alle weiteren Gedanken der nächsten 5h drehen sich nur um Schmerz! Alle paar Minuten fragt mich jemand wie das Schmerzlevel ist auf einer Skala von 0-9. Hmm, was heißt 9? Ich versuche es mal mit 6. Ich bekomme Schmerzmittel und dämmere immer mal wieder weg. In regelmäßigen Abständen wiederholt sich die Frage. Der Pegel steigt jedoch 7 ... 8 - die 9 hebe ich mir mal noch auf. Nach 4h habe ich nach Aussage der Ärzte alles "was gut und teuer ist" intus und die Ärzte geben auf - nix hilft! Also muss doch der Nerv betäubt werden, wie man es ursprünglich geplant hatte. Es funktioniert! Fast sofort bin ich schmerzfrei und das nach 4,5h! Ich will den Arzt umarmen! Nach 5h im Aufwachraum geht es im gefühlten Ralleytempo auf Station. Normalerweise ist man wohl ca. 2h im Aufwachraum ...

Auf Station:
Die Betäubung des Nervs war leider nur von kurzer Dauer (ca. 6h). Gegen 18Uhr ging die Suche nach einem wirksamen Schmerzmittel weiter. Ein Tropf nach dem anderen wurde angeschlossen. Dämmerzustände und Übelkeit wechselten sich ab. Ich kaute paralysiert an einer trockenen Schnitte. Ich war mittlerweile wieder bei Level 7-8 angelangt. Gegen 1Uhr Nachts war endlich ein Arzt da, der härtere Mittel autorisierte. Der nächste Tropf mit "-morphin" im Namen, brachte endlich wieder 3h Ruhe. Am morgen gab es die Codeinphosphat/Paracetamol "Forte" Pillen, die auch Mi67 schon kennengelernt hatte. Übelkeit, Matschbirne und keine nennenswerte Schmerzreduzierung. Zum Mittag bestellen mein Zimmergenosse und ich uns neue Pillen. Aber das Spiel geht die nächsten Tage weiter mit Tendenz zu einer leichten Verbesserung. Seit der Nacht von Mi-Do sind die Schmerzen langsam im Griff - zumindest 3-4h Schlaf/Nacht sind nun drin und ich werde am Do nach Hause entlassen.

Nachbehandlung:
Freitag stelle ich mich im Uniklinikum Leipzig vor und bekomme Physiotherapie verschrieben. Es geht nun von Tag zu Tag besser. Mein Pillencocktail von 4 verschiedenen Schmerzmitteln reduziere ich Schritt für Schritt. Mittlerweile reicht wieder Voltaren.
Diesen Montag und Mittwoch gab es die ersten beiden Einheiten auf der Rolle und kommenden Freitag werden die Fäden gezogen.

Fazit:
So ein Sturz kann einem ganz schön das Leben durcheinander bringen. Man lernt mit links Zähne zu putzen und ist plötzlich Experte, was Schmerzmittel angeht. Man kommt nat. auch ins Grübeln, ob Rennen fahren, das alles Wert ist... Heute, als Zuschauer auf der Bahn und die vielen positiven Erinnerungen lassen das Pendel aber so langsam wieder in Richtung "ja" ausschwenken! ;-)
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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von Radler » Do 11. Aug 2011, 09:31

man o man, mit der Bahn scheinst Du was persönliches zu haben. Das tut ja bereits beim Lesen weh. Alles Gute auch von mir, vor allem baldigste Schmerzfreiheit.... (und nicht übertreiben :dudu: )

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von mi67 » So 14. Aug 2011, 16:35

Heute fuhr ich mein erstes Kriterium (Rund um die Krostitzer Brauerei) und sammelte gleich alle Erlebnisse in Zeitraffer-Manier ein! Darunter eben auch leider die Entnahme einer Bodenprobe verursacht durch einen imposanten Reifenplatzer am Hinterrad bei max. Kurvenschräglage mit noch etwas unklarer Ursache. Zum Glück scheint es glimpflich abgelaufen zu sein, also nur mit mittelkräftigen Prellungen/Schürfungen an re. Handgelenk, Unterarm, Oberschenkel. Tut recht weh, ist aber vermutlich rasch abklingend.

Viel ernsthafter müssen wir nun Crissie die Daumen halten!!! Sie hatte in ihrem Rennen wohl in der Schlußphase einen Sturz und irgendetwas an Schulter/Arm könnte geschehen sein ... :(
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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von Charlie » So 14. Aug 2011, 16:48

mi67 hat geschrieben:
Viel ernsthafter müssen wir nun Crissie die Daumen halten!!! Sie hatte in ihrem Rennen wohl in der Schlußphase einen Sturz und irgendetwas an Schulter/Arm könnte geschehen sein ... :(
habe gerade mit +1 gesprochen,

Schlüsselbein + Rippe :(

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von SXHC » Di 6. Sep 2011, 16:45

habe ein Hämatom kurz über dem knie, hervorgerufen von einer reifen Herbstfrucht, die meinen Weg gen Grimma kreuzte... :krank:

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von Foxxy » Fr 9. Sep 2011, 22:55

Hey,

ich wünsche allen Verletzten gute Besserung. Nun sind wir ja schon mindestens zu dritt :pfeif:
Aber dieses neumodische Zeug mit Nylonfäden, klingt interessant. Ich habe mich damals im Leipziger-Parkkrankenhaus einfach wieder zusammen nageln lassen.

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von Barus » Mi 14. Sep 2011, 17:17

SdT: 7x Tapete ab: Knöchel, Knie, Hüfte, Steiß, Rücken, Schulter, Ellenbogen
Ich hab mit dem Rad eine junge Dame an einer Kreuzung umgemäht, die bei Rot drübertapsen wollte.
Dann sieht die mich und rennt in die falsche Richtung los...
Ich konnte fast noch bremsen/ausweichen, bin dann aber in den Straßenbahnschienen eingerastet...
42,4km/h, 200W und 'ne Trittfrequenz von 80/min waren die letzten Daten vor dem Crash.

Am Rad: rechter Ergo zerschrammt, verbogen und der Gummi kaputt, weitere Schrammen an Sattel und Schaltwerk und ein ganz leichter Schlag im Hinterrad...

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von peso » Mi 14. Sep 2011, 20:53

Fußgänger... :zeter:

Gute Besserung an Roß und Reiter!

Ich konnte heute auch mehrere Anschläge auf mein Leben erfolgreich abwehren...
Reißbrett 2016

"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)

"Treffpunkt ist jedenfalls 05:30 an der Uniklinik." (Good old Times)

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Re: Der Schmerz des Tages

Beitrag von sippe » Mi 14. Sep 2011, 20:55

Gute Besserung!
Hast du wenigstens die gute Frau in die Pflicht genommen?
"will halt auch dabeigewesen sein"-Fahrer :-D

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