Ötztaler Radmarathon 2010
- peso
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Die aktuellen Ergebnisse
Teli ist aktuell am Fuße des Jaufenpasses mit 06:16 h notiert.
* Jetzt 08:18 h auf dem Jaufenpass.
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Reißbrett 2016
"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)
"Treffpunkt ist jedenfalls 05:30 an der Uniklinik." (Good old Times)
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- mi67
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Da darf man ja noch ein Paar Stunden lang die Daumen drücken!peso hat geschrieben:* Jetzt 08:18 h auf dem Jaufenpass.
Edith: Teli ist nach 9:01:38 durch in St. Leonhard ...
Freund der vertieften Atmung
- peso
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Noch keine Zeit vom Timmelsjoch. Sieht nicht gut aus...
(19:30 war dort oben Kontrollschluß)
(19:30 war dort oben Kontrollschluß)
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
trotzdem, wie auch immer, Jungs,

Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Der Besenwagen wird Ihn eingehohlt haben . Falls es so ist, was solls .... weit gekommen. 
- peso
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Wenn ich das richtig sehe, kamen bergfloh mit 09:22 h und blue64 nach 12:44 h erfolgreich ins Ziel.
Herzlichen Glückwunsch!
Herzlichen Glückwunsch!
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Jetzt bin ich mal gespannt auf die Berichte!
j.
j.
- teli
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Re: Ötztaler Radmarathon 2010
crishi hat geschrieben:Der Besenwagen wird Ihn eingehohlt haben . Falls es so ist, was solls .... weit gekommen.
Re: Ötztaler Radmarathon 2010
komm schon, etwas stolz ist bestimmt auch dabeiteli hat geschrieben:Schwer enttäuscht und mental völlig am Ende
Re: Ötztaler Radmarathon 2010
Der Ötzi ist bezwungen. Der Traum hat sich erfüllt 
Glückwunsch bergfloh zu dieser fabelhaften Zeit
und Trost für teli - versuche es unbedingt nochmal !
Der Samstag sah noch so richtig schlimm aus. Angekommen in Sölden blies eiskalter Wind. Immer wieder fegten Regenschauer
durch den Ort. Erstaunlich viele Sportskameraden waren aber noch auf einer "Aufwärmrunde" unterwegs.
Nach der Ankunft erstmal ins Hotel, Sachen auspacken, zur Startnummernausgabe und teli und bergfloh anpingen.
bergfloh was noch in Behandlung (technisches Problem, Massage), aber teli kam zum Zielbereich und wir konnten kurz unsere
Prognosen für den folgenden Tag abstimmen. Zumindest teli sah schon besseres Wetter für den nächsten Tag. Trotzdem war den
ganzen Abend Grübeln über die Kleiderordnung angesagt.
Am Abend gabs noch die Fahrerbesprechung mit vielen Hinweisen zur Strecke. Dazwischen noch dutzende, mampfende Mäuler
(Kartoffeln mit Quark, Nudelberge, Kaiserschmarn...) - wie in einer riesigen Mensa - und so roch es auch. Zum Glück hatte ich
Halbpension und war schon richtig satt.
Bin dann nach kurzer Zeit zurück ins Hotel; nochmal alles anpellen und bereitlegen. Weckzeit sollte um 4:30 Uhr sein.
Zu Hause hatte ich mein Kampfgewicht (Rad, ich, Ausrüstung, Verpflegung) bereits mit 109 kg festgestellt, aber wegen dem
befürchteten Wetter kamen noch einige Teilchen dazu.
Am Morgen ans Fenster gestürzt und mit Freude festgestellt, es war trocken
, aber arschkalt. Also trotzdem alles angepellt. Müsli,
Bananen, Schmelzflocken in die Schüssel und mit Milch reingelöffelt. Energiedrinks angerührt und um 5:30 Uhr bereits ab zum Start.
Trotzdem nur etwa in der Mitte des Startfeldes Aufstellung genommen. Aber dafür genau auf Höhe eines Hotels, deren Toiletten
freundlicherweise zur Verfügung standen.
Der Start erfolgte sehr pünklich um 6:45 Uhr mit dem Block der Titelanwärter und in Anbetracht der riesigen Meute auch sehr flott. Ich
war bereits 6:52 über die Zeitleiste. Im Startbereich das Ötzi-Riesentrikot hochgezogen und die Ötzi-Ballons gefüllt, ein Hubschrauber
in der Luft... (ein paar Fotos werden noch folgen) und viele hundert Leute am Rand die schon jetzt Beifall klatschten. Toll!
Auf der ersten Etappe nach Ötz hinunter - Tempo immer über 40 - die erste Panik bei mir: das Hinterrad flatterte beim Bremsen.
Kurzer Stop, aber kein Problem zu erkennen. Vermutlich die neuen Bremssteine, also etwas langsamer und vorsichtiger weiter und
irgendwann war vom Flattern auch nichts mehr zu spüren.
In Ötz angekommen, schnell die Regenpelle ab, Handschuhe wechseln und dann rein in den Berg. Gleich zum Anfang extremer Stau,
der das Feld fast zum Stillstand brachte. Nur vorsichtig mit 7-8 km/h hochgetastet, immer in Sorge zu stürzen oder absteigen zu
müssen. Langsam wurde die Straße breiter, das Feld zog sich in die Länge und das Tempo schwankte zwischen 10-12 km/h. Um die
Muskeln locker arbeiten zu lassen, die steilen Passagen nicht auf Krampf, sondern mit 30/28 ganz entspannt hoch gekurbelt. Zur
Ablenkung die schöne Aussicht bei nunmehr strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel mit tollen weißen Wolken genießen.
Zwischendurch kurze flache Passagen, die die Kilometeranzeige bis zum Ende des Anstiegs erfreulich schnell nach vorn bewegte.
Zum Kühtaisattel hin wurde es immer kälter und es gab immer wieder fantastische Blicke auf die Berge rund um. Die Freude über den
erhofften Wetterumschwung war riesig und motivierte bereits ungemein.
Auf dem Kühtaisattel schnell die Regenpelle über und die langen Handschuhe an. Auf meinem Pflichtenzettel stand noch Wasser
auffüllen und eine Kleinigkeit essen. Dann hinab in die Abfahrt mit Passagen von 18%.
Hier zeigte sich auch mein größtes Handycap, welches mich den ganzen Tag verfolgen sollte: mein Rad und ich sind nicht für
Abfahrten geschaffen! Wenn meine Höchstgeschwindigkeit an diesem Tag 65 km/h betrug, kann sich jeder Abfahrspezi vorstellen, wie
viel Zeit ich auf allen Abfahrten im Vergleich zu einem guten Abfahrer gelassen habe. Aber mein Rad ist mit seinem extra langen
Steuerrohr, alles andere als ein ruhiges Abfahrgerät. Aber egal, ärgerlich war nur, dass die Leute an denen ich am Berg noch locker
vorbei gekurbelt bin, nun noch lockerer davon zogen.
Die Fahrt an Innsbruck vorbei zum Brenner war schnell, mittlerweile sehr warm und wurde von allen unaufgeregt in meist großen
Gruppen mit deutlich über 40 km/h gefahren. Vor dem Brenner wieder Auspellen (eine der zeitfressendsten Tätigkeiten an diesem
Tag) und dann flott mit 12-15 km/h die moderaten Anstiege hinauf; dazwischen immer wieder flache Stücke zum Luftholen. Zur
Unterhaltung gabs schöne Aussichten auf die Brennerautobahnkonstrukte und einen Bungeesprung von einem dieser Bauwerke. Die
Verpflegungsstelle am Brenner war bereits total überfüllt. Also Rad abgestellt und sich von Stand zu Stand um Wasser, Tee, Suppe
oder Bratkartoffeln gedrängelt.
Und schon wieder Anpellen und hinab Richtung Jauffenpass. Davon ist bei mir nichts hängen geblieben, zu schnell hieß es wieder
Auspellen und hinein in den Jauffenpass. Gefühlte Steigung zwischen 8-10% und von Anfang an 30/28 locker gekurbelt. Ein erfahrener
Ötzi verkündete schon das teufliche dieses Berges: 21 km mit gleichbleibender Steigung. Die erste Hälfte lief wunderbar. Fleissig
hab ich Gel und kohlenhydrathaltige Getränke nach Plan zu mir genommen. Größte Angst war ein Hungerast. Leider kams nun anders.
Ab der Hälfte bekam ich immer stärkere Magenkrämpfe. Die letzten 3 km bis zur Verpflegungsstations gings nur noch mit knapp 7
km/h aufwärts. Immer wieder Absteigen und Strecken. Panik breitete sich aus. Die Verpflegungsstation zum Glück knapp 2 km unter
dem Gipfel. Mit gequälter Miene zum Verpflegungsstand. Zum Glück gabs warmen Tee. Essen ging erstmal gar nicht. Knapp eine
halbe Stunde brauchte ich um wieder normal stehen zu können. Langsam verzogen sich die Krämpfe, die sich nunmehr als Blähungen
herausstellten. Den Rest des Tages bekam ich, öfter als mir lieb war, zu hören und zu riechen, dass offensichtlich auch andere dieses
Problem mit der Energienahrung hatten. Die letzten 2 km hinauf zum Pass geschleppt und im Ergebnis wohl eine der schlechtesten
Zeiten des gesamten Fahrerfeldes für diesen Anstieg. Aber ich hatte nunmehr die Hoffnung, dass bis zum Timmelsjoch die Krämpfe
nachlassen. Und ich hatte Glück.
Der Einstieg zum Timmelsjoch war noch beschwerlich. Aber da ich erstmal auf Gel etc. verzichtete, sondern mich an Tee und purem
Wasser hielt, lösten sich die Krämpfe langsam auf. Bis Schönau gings mir wieder richtig gut und ich konnte erstmal wieder richtig
futtern und Suppe schlürfen.
Leider ging wegen der Magenprobleme meine Aufmerksamkeit für die Landschaft und den Weg etwas verloren. Ich erinnere mich
noch an sehr schöne Serpentinen, die an das Stilfser Joch erinnern und mir große Freude bereitet haben. Rundherum wieder tolle
Berge und Täler. Insgesamt glaube ich, diese tolle Landschaft hat mich ungemein beflügelt.
Nach Schönau begann das heftigste Stück des Timmelsjoch - scheinbar endlos sich am Berg entlangziehende Anstiege. Und nach
jeder Kurve das gleiche Bild. Jetzt hieß es trotz nur noch 7-8 km/h durchhalten und nicht in Panik verfallen. Zwar bewegte sich der
Kilometerzähler nur noch tröpfelnd vorwärts, aber er bewegte sich. Als man keine Straßen mehr in den Himmel wachsen sah, erschien
als nahendes Ende des Aufstiegs die Tunnelröhre durch den Berg. Viele jubelten schon. Ich war eher skeptisch, denn mein
Kilometerzähler hatte noch 3km offen bis zur Passhöhe. Aber jetzt erstmal durch den finsteren Berg, Anpellen und Richtung Passhöhe
zum Glück nur noch relativ wenige Höhenmeter. Oben angekommen, der vergebliche Versuch meine Frau im Ziel zu erreichen,
um die Freude zu teilen und die nahe Ankunft zu verkünden. Es war ja bereits 18:47 Uhr, also durchaus Grund sich Sorgen zu machen.
Aber egal, da oben gabs kein Netz und so erstmal rein in die Kehren hinab. Erstaunlich nach soviel gebremsten Kilometern, dass zum
Schluss die Bremssteine noch gut funktionierten
Der Gegenanstieg nach dem Timmelsjoch entpuppte sich als relativ zahmer Anstieg und ich durfte numehr tatsächlich die 5.500 hm
bejubeln. Meine Beine haben erstaunlich gut durchgehalten. Niemals Krämpfe oder Schmerzen oder totale Erschöpfung. Die haben
super funktioniert.
Nunmehr aber wirklich hinunter nach Sölden. In Sölden schon wieder fast normaler Verkehr, so dass ich langsam hinter einem
Polzeiwagen zum Ziel schleichen musste. Dann endlich die letzte Kurve, entspanntes Grinsen für den Fotografen und dann mit meiner
Frau nur noch die Freude genießen.
Zurück im Hotel schön warm geduscht und super gegessen. Das Finishertrikot abgeholt und dann nur noch dem Körper die Ruhe
gegönnt.
Die Organisation muss man unbedingt loben: sehr professionelle Rennvorbereitung, Rennbegleitung und Nachbereitung! Es hat
wirklich alles funktioniert. Und toll waren überall an der Strecke die Leute, die uns bejubelt und beklatscht haben. Grandios.
Am nächsten Morgen wieder Regen, aber gegen 10 gabs dann wieder schönstes Alpenwetter, nur deutlich windiger als am Vortag.
Da wir ja über Innsbruck fahren mussten, lag es nahe, den Weg über den Kühtaisattel zu wählen. Und wir wurden belohnt: tolles Wetter,
schönste Berge mit etwas frischem Schnee, freilaufende Kühe auf der Straße - sehr fotogen. Allerdings sehr starker Wind und
nochmal die Erkenntnis, dass wir mit dem Wetter am Sonntag totales Schwein hatten.
Insgesamt, trotz der enttäuschenden Zeit, ein unheimlich glückliches Gefühl, welches ich zusammen mit dem Trikot und einem wundervollen Kalender mitnehmen durfte.
Glückwunsch bergfloh zu dieser fabelhaften Zeit
und Trost für teli - versuche es unbedingt nochmal !
Der Samstag sah noch so richtig schlimm aus. Angekommen in Sölden blies eiskalter Wind. Immer wieder fegten Regenschauer
durch den Ort. Erstaunlich viele Sportskameraden waren aber noch auf einer "Aufwärmrunde" unterwegs.
Nach der Ankunft erstmal ins Hotel, Sachen auspacken, zur Startnummernausgabe und teli und bergfloh anpingen.
bergfloh was noch in Behandlung (technisches Problem, Massage), aber teli kam zum Zielbereich und wir konnten kurz unsere
Prognosen für den folgenden Tag abstimmen. Zumindest teli sah schon besseres Wetter für den nächsten Tag. Trotzdem war den
ganzen Abend Grübeln über die Kleiderordnung angesagt.
Am Abend gabs noch die Fahrerbesprechung mit vielen Hinweisen zur Strecke. Dazwischen noch dutzende, mampfende Mäuler
(Kartoffeln mit Quark, Nudelberge, Kaiserschmarn...) - wie in einer riesigen Mensa - und so roch es auch. Zum Glück hatte ich
Halbpension und war schon richtig satt.
Bin dann nach kurzer Zeit zurück ins Hotel; nochmal alles anpellen und bereitlegen. Weckzeit sollte um 4:30 Uhr sein.
Zu Hause hatte ich mein Kampfgewicht (Rad, ich, Ausrüstung, Verpflegung) bereits mit 109 kg festgestellt, aber wegen dem
befürchteten Wetter kamen noch einige Teilchen dazu.
Am Morgen ans Fenster gestürzt und mit Freude festgestellt, es war trocken
Bananen, Schmelzflocken in die Schüssel und mit Milch reingelöffelt. Energiedrinks angerührt und um 5:30 Uhr bereits ab zum Start.
Trotzdem nur etwa in der Mitte des Startfeldes Aufstellung genommen. Aber dafür genau auf Höhe eines Hotels, deren Toiletten
freundlicherweise zur Verfügung standen.
Der Start erfolgte sehr pünklich um 6:45 Uhr mit dem Block der Titelanwärter und in Anbetracht der riesigen Meute auch sehr flott. Ich
war bereits 6:52 über die Zeitleiste. Im Startbereich das Ötzi-Riesentrikot hochgezogen und die Ötzi-Ballons gefüllt, ein Hubschrauber
in der Luft... (ein paar Fotos werden noch folgen) und viele hundert Leute am Rand die schon jetzt Beifall klatschten. Toll!
Auf der ersten Etappe nach Ötz hinunter - Tempo immer über 40 - die erste Panik bei mir: das Hinterrad flatterte beim Bremsen.
Kurzer Stop, aber kein Problem zu erkennen. Vermutlich die neuen Bremssteine, also etwas langsamer und vorsichtiger weiter und
irgendwann war vom Flattern auch nichts mehr zu spüren.
In Ötz angekommen, schnell die Regenpelle ab, Handschuhe wechseln und dann rein in den Berg. Gleich zum Anfang extremer Stau,
der das Feld fast zum Stillstand brachte. Nur vorsichtig mit 7-8 km/h hochgetastet, immer in Sorge zu stürzen oder absteigen zu
müssen. Langsam wurde die Straße breiter, das Feld zog sich in die Länge und das Tempo schwankte zwischen 10-12 km/h. Um die
Muskeln locker arbeiten zu lassen, die steilen Passagen nicht auf Krampf, sondern mit 30/28 ganz entspannt hoch gekurbelt. Zur
Ablenkung die schöne Aussicht bei nunmehr strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel mit tollen weißen Wolken genießen.
Zwischendurch kurze flache Passagen, die die Kilometeranzeige bis zum Ende des Anstiegs erfreulich schnell nach vorn bewegte.
Zum Kühtaisattel hin wurde es immer kälter und es gab immer wieder fantastische Blicke auf die Berge rund um. Die Freude über den
erhofften Wetterumschwung war riesig und motivierte bereits ungemein.
Auf dem Kühtaisattel schnell die Regenpelle über und die langen Handschuhe an. Auf meinem Pflichtenzettel stand noch Wasser
auffüllen und eine Kleinigkeit essen. Dann hinab in die Abfahrt mit Passagen von 18%.
Hier zeigte sich auch mein größtes Handycap, welches mich den ganzen Tag verfolgen sollte: mein Rad und ich sind nicht für
Abfahrten geschaffen! Wenn meine Höchstgeschwindigkeit an diesem Tag 65 km/h betrug, kann sich jeder Abfahrspezi vorstellen, wie
viel Zeit ich auf allen Abfahrten im Vergleich zu einem guten Abfahrer gelassen habe. Aber mein Rad ist mit seinem extra langen
Steuerrohr, alles andere als ein ruhiges Abfahrgerät. Aber egal, ärgerlich war nur, dass die Leute an denen ich am Berg noch locker
vorbei gekurbelt bin, nun noch lockerer davon zogen.
Die Fahrt an Innsbruck vorbei zum Brenner war schnell, mittlerweile sehr warm und wurde von allen unaufgeregt in meist großen
Gruppen mit deutlich über 40 km/h gefahren. Vor dem Brenner wieder Auspellen (eine der zeitfressendsten Tätigkeiten an diesem
Tag) und dann flott mit 12-15 km/h die moderaten Anstiege hinauf; dazwischen immer wieder flache Stücke zum Luftholen. Zur
Unterhaltung gabs schöne Aussichten auf die Brennerautobahnkonstrukte und einen Bungeesprung von einem dieser Bauwerke. Die
Verpflegungsstelle am Brenner war bereits total überfüllt. Also Rad abgestellt und sich von Stand zu Stand um Wasser, Tee, Suppe
oder Bratkartoffeln gedrängelt.
Und schon wieder Anpellen und hinab Richtung Jauffenpass. Davon ist bei mir nichts hängen geblieben, zu schnell hieß es wieder
Auspellen und hinein in den Jauffenpass. Gefühlte Steigung zwischen 8-10% und von Anfang an 30/28 locker gekurbelt. Ein erfahrener
Ötzi verkündete schon das teufliche dieses Berges: 21 km mit gleichbleibender Steigung. Die erste Hälfte lief wunderbar. Fleissig
hab ich Gel und kohlenhydrathaltige Getränke nach Plan zu mir genommen. Größte Angst war ein Hungerast. Leider kams nun anders.
Ab der Hälfte bekam ich immer stärkere Magenkrämpfe. Die letzten 3 km bis zur Verpflegungsstations gings nur noch mit knapp 7
km/h aufwärts. Immer wieder Absteigen und Strecken. Panik breitete sich aus. Die Verpflegungsstation zum Glück knapp 2 km unter
dem Gipfel. Mit gequälter Miene zum Verpflegungsstand. Zum Glück gabs warmen Tee. Essen ging erstmal gar nicht. Knapp eine
halbe Stunde brauchte ich um wieder normal stehen zu können. Langsam verzogen sich die Krämpfe, die sich nunmehr als Blähungen
herausstellten. Den Rest des Tages bekam ich, öfter als mir lieb war, zu hören und zu riechen, dass offensichtlich auch andere dieses
Problem mit der Energienahrung hatten. Die letzten 2 km hinauf zum Pass geschleppt und im Ergebnis wohl eine der schlechtesten
Zeiten des gesamten Fahrerfeldes für diesen Anstieg. Aber ich hatte nunmehr die Hoffnung, dass bis zum Timmelsjoch die Krämpfe
nachlassen. Und ich hatte Glück.
Der Einstieg zum Timmelsjoch war noch beschwerlich. Aber da ich erstmal auf Gel etc. verzichtete, sondern mich an Tee und purem
Wasser hielt, lösten sich die Krämpfe langsam auf. Bis Schönau gings mir wieder richtig gut und ich konnte erstmal wieder richtig
futtern und Suppe schlürfen.
Leider ging wegen der Magenprobleme meine Aufmerksamkeit für die Landschaft und den Weg etwas verloren. Ich erinnere mich
noch an sehr schöne Serpentinen, die an das Stilfser Joch erinnern und mir große Freude bereitet haben. Rundherum wieder tolle
Berge und Täler. Insgesamt glaube ich, diese tolle Landschaft hat mich ungemein beflügelt.
Nach Schönau begann das heftigste Stück des Timmelsjoch - scheinbar endlos sich am Berg entlangziehende Anstiege. Und nach
jeder Kurve das gleiche Bild. Jetzt hieß es trotz nur noch 7-8 km/h durchhalten und nicht in Panik verfallen. Zwar bewegte sich der
Kilometerzähler nur noch tröpfelnd vorwärts, aber er bewegte sich. Als man keine Straßen mehr in den Himmel wachsen sah, erschien
als nahendes Ende des Aufstiegs die Tunnelröhre durch den Berg. Viele jubelten schon. Ich war eher skeptisch, denn mein
Kilometerzähler hatte noch 3km offen bis zur Passhöhe. Aber jetzt erstmal durch den finsteren Berg, Anpellen und Richtung Passhöhe
zum Glück nur noch relativ wenige Höhenmeter. Oben angekommen, der vergebliche Versuch meine Frau im Ziel zu erreichen,
um die Freude zu teilen und die nahe Ankunft zu verkünden. Es war ja bereits 18:47 Uhr, also durchaus Grund sich Sorgen zu machen.
Aber egal, da oben gabs kein Netz und so erstmal rein in die Kehren hinab. Erstaunlich nach soviel gebremsten Kilometern, dass zum
Schluss die Bremssteine noch gut funktionierten
Der Gegenanstieg nach dem Timmelsjoch entpuppte sich als relativ zahmer Anstieg und ich durfte numehr tatsächlich die 5.500 hm
bejubeln. Meine Beine haben erstaunlich gut durchgehalten. Niemals Krämpfe oder Schmerzen oder totale Erschöpfung. Die haben
super funktioniert.
Nunmehr aber wirklich hinunter nach Sölden. In Sölden schon wieder fast normaler Verkehr, so dass ich langsam hinter einem
Polzeiwagen zum Ziel schleichen musste. Dann endlich die letzte Kurve, entspanntes Grinsen für den Fotografen und dann mit meiner
Frau nur noch die Freude genießen.
Zurück im Hotel schön warm geduscht und super gegessen. Das Finishertrikot abgeholt und dann nur noch dem Körper die Ruhe
gegönnt.
Die Organisation muss man unbedingt loben: sehr professionelle Rennvorbereitung, Rennbegleitung und Nachbereitung! Es hat
wirklich alles funktioniert. Und toll waren überall an der Strecke die Leute, die uns bejubelt und beklatscht haben. Grandios.
Am nächsten Morgen wieder Regen, aber gegen 10 gabs dann wieder schönstes Alpenwetter, nur deutlich windiger als am Vortag.
Da wir ja über Innsbruck fahren mussten, lag es nahe, den Weg über den Kühtaisattel zu wählen. Und wir wurden belohnt: tolles Wetter,
schönste Berge mit etwas frischem Schnee, freilaufende Kühe auf der Straße - sehr fotogen. Allerdings sehr starker Wind und
nochmal die Erkenntnis, dass wir mit dem Wetter am Sonntag totales Schwein hatten.
Insgesamt, trotz der enttäuschenden Zeit, ein unheimlich glückliches Gefühl, welches ich zusammen mit dem Trikot und einem wundervollen Kalender mitnehmen durfte.
