Was für ein Wochenende! Samstag in Bispingen noch Skifahren gewesen und Sonntag schon das erste Rennen der Saison. Ich weiß gar nicht, wie ich mich rechtfertigen soll: War es der falsche Krankenhausbesuch mit der Hundebluttransfusion, war es der mangelnde Kampfgeist, war es zu wenig Frühjahrstraining? NEIN, es war heuer der Floeri als Cameraman
Man verfolgte mich per gps-Tracking das gesamte Wochenende. Ich war also gläsern.
Sonntag Morgen in Herrgottsfrüh bin ichh aufgestanden und bin zeitig losgefahren. Schon rief mich Salamander an und teilte mir mit, dass ich etwas zu schnell fahren würde auf der A7. Den Unfall zwischen N-Hardenberg und Göttingen veranlasste mich dann auf der Landstrasse in Göttingen einzufahren.
Schnell wollte ich eigentlich die Startnummer abholen und den Winni mit Heuschnupfenmittel verarzten. Leider schlief der noch. Dafür habe ich das gesamte Aufgebot der Rennradliste Leipzig im Frühstückssaal getroffen. Das war ein tolles HALLO. Wir fachsimpelten um die Wette, wie wir vorne und ich hinten das Feld aufmischen können. Um 0930 bin ich dann runter Richtung Ziel, um mein Auto dort strategisch sinnvoll zu parken.
Ich traf mich mit meinen Männern der RSG Göttingen und wir strampelten zum Startplatz empor. Hier ging meine Pumpe schon ordentlich und mir schwarnte nichts Gutes. Die Helmkamera war allerdings ein Blickfang und ich wurde nicht GOGGLE-MOBILE sonder FLOERI-MOBILE getauft .
Oben angekommen, kickten die Fotoapparate wie bei einem Superstar der Radszene. Gut geschützt durch meine unter dimensionierten verspiegelten Brille genoss ich den Trubel um mich herum, so dass jeder der Sportografen seine Bildchen von mir machen konnten. Ich wurde dem Startblock B zugeteilt, was ich , aber nicht jeder andere, der mich kannte/kennt, für gut hieß.
11.00 Uhr Der Drops wird gelutscht
Ich war so uffjeregt, dass ich total enttäuscht war, dass meine Cam nur 3.27 Std Aufnahmezeit innehatte mit 4 GB-Karte und 320x240 Pixel-Auflösung. Mir war irgendwie so, dass ich das nicht schaffen sollte, in der Zeit anzukommen. Also habe ich leider leider während der Fahrt immer wieder aus- und eingeschaltet.
So zurück zum Rennen: Block A ging los, Block B rollte an den Start. Leider schaffte ich Volltrottel es nicht, in eine Pedale mich einzuklicken und schon musste ich wie ein dreijähriges Kind auf dem Oberrohr nach vorne rollen. Das allein kostete mir schön Körner in der dunklen Stimme
Diesmal war das Anrollen zum Start sehr viel entspannter als letztes Jahr, wohl auch weil der Führungswagen des Block A mit schleifender Kupplung das Feld dirigierte. naja, seht es Euch selbst an.
Rennstart, oder welches Hinterteil soll ich bloss nehmen?
Winni und die anderen B-Blockstarter der RRL waren alle vor mir über die Ziellinie gefahren. Winni, die kasachische Wurstpelle, zog auch gleich mal akkurat davon und ich war mal wieder auf der falschen Seite des Pelethons. Der Wind hatte mich im Griff, aber auch dieser verdammt schwere Helm mit der Luftbremse Cam on top. Egal, treten hieß erst einmal die Devise. Bis Rosdorf war es sogar entspannt und nicht hektisch. Ich merkte aber dann bis Mengershausen, dass mir irgendwie ein paar Trainingskilometer fehlten.
Jedesmal, wenn ich 50cm am HR des Vordermannes verlor, kam ich nicht mehr ran. ich verspürte auch nicht das Wollen, Lücken dichtzufahren. Das fing schon nach 6km an zu nerven.
Also wurde Floeri vom Rennfahrer zum FLOERI-MOBILE
Bis zum Huckel nach Mengershausen habe ich mich gequält und wollte auch eigentlich, ja wirklich, diesen schönen Hügel hochschießen, aber alles am Körper sagte einfach NÖ. Eindrucksvolle Beweismittel habe ich hinzugefügt und alles, was hinter mir fuhr, überholte mich gnadenlos und so manch ein Teamkamerad erkannte mich und schrie vergnügt nach mir. Am HRMProfile sieht man ganz gut, dass ich mich dennoch hier völlig abgeschossen habe, was sich dann am Bramwald noch furchtbarer rächen sollte.....
Finde die Gruppe, sie wartet nicht auf Dich
Das habe ich Schum am Vorabend eingebläut. Oben auf dem Huckel musst Du die Gruppe finden, die Dich bis zur Meensenr Mur begleiten soll. Also wartete ich klugerweise auf eine solche, um so dorthin zu gelangen. Diese Menschen traten nur viel zu stark in die Pedale und es kam mir vor als ob ich von Gruppe zu Gruppe sprang, allerdings nicht vorwärts
Die Rampe mit dem geilsten Publikum
Total im roten Bereich erreichte ich dann die Meensener Rampe und ich hechtete mich starallürenhaft die Wand empor. Ich war nie unter 10 km/h, EHRLICH!!!!
Das Volk feierte und schrie mich um die Kurve, so dass ich mal wieder viel zu schnell reinballerte und alle Mitfahrer abgeben musste an andere Lutscher. Also ballerte ich mich mit weniger mutigen Abfahrer die herrliche Abfahrt hinunter. Das machte mal so richtig Spass, wobei meine Hochprofil-LR bei dem Seitenwind ganz schön unruhig waren. Egal, was wäre das für ein Video, wenn ich über den Acker abgekürzt hätte.
Wesermarsch
Durch Hann-Münden spricht mich ein RRfahrer an und fragte nach dem Material auf meinem Helm. Erst wollte ich nicht quatschen, da ich so kaputt war, aber dann wußte ich,mit wem ich es zu tun hatte. Der macht so geile Vids und stürzt dabei auch noch spektakulär (08:17), der arme Tobi
Ab Gimte kam dann Sebastian an mein HR und wir freuten uns ehrlich uns zu sehen. Kurzer Blick gegenseitig in die Augen und wir sprachen zur selben Zeit dieselben Wörter: ICH BIN PLATT. Das musste Teli gehört haben, denn er schoss mit Brachialer Gewalt an uns vorbei, kein Gruß, kein wie gehts, ne, der sah das sportlich und setzte sich gleich an die Spitze des Feldes. Starke Leistung, die Du gebracht hast, Teli, WOW!
BRAMWALDgenießer
Was habe ich in Hemeln gelitten. Alle, die nicht aus Göttingen kommen, können da nicht mitreden, aber da gibt es eine Gaststätte direkt an der Weserfähre und bei diesen sommerlichen Temperaturen habe ich dort zu meiner Studienzeit Hefeweizen im Gras genossen und die Sonne meine Sinne streicheln lassen. WAS WOLLTE ICH DAFÜR GEBEN; DORT JETZT ZU SEIN. ABer das ging nicht, denn ich hatte ja ein Radrennen bezahlt....
Es ging bergauf und meine Geschwindigkeit bergab. Ich glaube, dass ich den Bramwald mit knapp 11km/h überlebt habe, also nicht weiter der Rede wert
Mein Captain, der sich einen Platten vor der Mur geholt hatte, knallte dann auch noch mit einem anderen an mir vorbei und schrie, dass ich mich dranhängen sollte. Leider habe ich das nicht als Video, denn es war "lustig" sich vorstellen zu wollen, dass ich Andi folgen sollte, der gefühlte 15km/h schneller war....war er wohl auch!
1. Verpflegungsstelle ist was für Muttis
Da halte ich nicht an, schwor ich mir und bin auch weitergefahren, aber schön langsam, denn es hätte ja einige ZUschauer geben können, der was zu trinken in der Hand hatte.....
Ich konnte nun gar kein HR mehr halten. Nichts machte mehr Spass, selbst das Abfahren nicht. Dauernd überlegte ich abzukürzen, denn den Hohen Hagen wollte ich nicht mehr bezwingen. Mittlerweile hatte ich große schmerzhafte Probleme mit der oberen hinteren Oberschenkelmuskulatur und den Popomuskeln. So einen Schmerz kannte ich noch nicht. Also muss es wohl an der Satteleinstellung liegen. Komischerweise hatte ich bisher noch keine Probs damit gehabt, allerdings bin ich mit den 3cm höheren Stattelschaft auch noch kein Radrennen gefahren.
Der Hohe Hagen feiert sich selbst und ich ihn
Irre muss man sein, wenn man antriebslos im Kanten- und Gegenwind sich dem Hohen Hagen nähert, um diesen zu besteigen
Die letzten km und CAVE-CAM-Floeri im Zielsprint
Viel zu erzählen gibt es jetzt eigentlich nicht mehr, denn die versprengten Haufen wurden aufgelesen und so waren wir knapp 15 Radfahrer, wobei zwei Frauen dabei waren, die gerne Führungsaufgaben nachkamen. Für Tempo habe ich zweimal gesorgt, aber gleich die gesamte Gruppe gerupft. Also wusst ich, dass ich mich nicht anstrengen brauchte, um den Sieg in der Gruppe davonzutragen. Klappte auch vorbildlich mit einem 1km Sprint voller Inbrunst. Als ich dann die Ergebnisse Stunden später gesehen habe, musste ich feststellen, dass , auf der Rückennummer steht der Name, die Mitfahrer der letzten km in der Zeit bis zu 15 Minuten gut gemacht haben
Resümee: Ich musste einsehen, dass es ein harter Job ist, solch einen Bericht über ein Rennen zu schreiben, das dann auch noch filmisch begleitet werden will. Ach ja, ein bisserl mehr Training benötige ich auch noch. Bis zu den NSC wirds besser, versprochen
GPS-TRACKER:
Da wir ja nun zum ersten Mal es geschafft haben, ein Rennen mit GPSfähigen Handys übertragen zu können, sollten wir uns mal im www umschauen, ob es nicht eine Software gibt, die die Standorte der jeweiligen Rennfahrer beweglich darstellen zu lassen. Ich habe so etwas mal gefunden und zwar im bayrischen Raum. Das wäre ein Super-Zusatzfeature, den wir noch benötigen, um noch mehr Spannung zu erzeugen
Rang Startnummer Name Vorname Jahrgang Geschlecht Teamname Extra Rang Zeit Zeit
1378 2331 Krause Florian 1971 m RSG Goettingen 2 Team 1378 2:54:57

