Der Ohare und der Winni waren zum Neuseen MTB Cup bei Belantis gemeldet und wollten im Graubereich des Reglements mit dem Crosser starten. Also wurden alle überflüssigen Anbauteile demontiert (falls diese bei Testfahrten am Vortag nicht schon abgefallen waren) und die Räder auf ihre Haltbarkeit hin untersucht. Alles klar müsste gehen.
Ohare holte mich Sonntag um 9.00 Uhr mit eine paar Damen und Herren zu Hause ab und wir rollten uns in Richtung Belantis warm. Das Wetter war fantastisch: Sonne, kaum Wind und es galt die 25ø Marke zu knacken.
Am Tor zur Vergnügnungswelt warteten wir auf unseren Teamleader Helge, welcher die Startunterlagen an die Mannschaft aushändigen soll. Die Wartezeit haben wir mit dem sinnlosen Suchen nach Toiletten zugebracht. Mehr oder weniger auf den letzten Drücker bekamen wir die Startnummern. Keiner hatte mehr richtig Zeit alles zu checken und so passte am Ende kein Name zum Fahrer. Die DIN A4 großen Nummern ließen sich nur mit größter Mühe am Geweih des Crosser anbringen und erhöhten den cw-Wert um den Faktor 2.
Ca. 10.10 Uhr hatten wir es endlich geschafft und reihten uns im letzten Drittel der Startformation ein, welche ab 10.15 Uhr auf die 63km lange Folterstrecke geschickt werden sollte. So im Bike-O-Drom stehend, machte sich bei Winni nochmal der Kaffee bemerkbar und ich drückte Ohare mein Rad in die Hand. Ich musste einen Erdwall überwinden um halbwegs ungestört meinem kleinen Bedürfnis nachzukommen. Wie ich da im Erdloch zwischen den Büschen stehe, knallt es hinter mir: Verdammt der Startschuss!!! Dann hörte ich Ohare meinen Namen rufen. Schnell zusammen gepackt und vom Erdwall aus quasi aufs Rad gesprungen. Na prima - wir waren nun so ziemlich die letzten in Startaufstellung.
Nach wenigen Metern schickten uns die Organisatoren, um Missverständnisse zu vermeiden, erst einmal durch das 40cm tiefe Schlammloch. Die Schuhe waren jetzt standesgemäß graubraun und es knirschte gar mächtig im Antriebstrang. Wenn das mal gut geht? Egal erst mal Gas geben.
Ohare und ich versuchten das Feld von hinten etwas aufzurollen, um bei den ersten technischen Passagen etwas mehr Überblick zu haben. Das gelang auch ganz gut und es ging über die A38 hinüber zum Tagebau Zwenkau. Nach ca. 1km Feldweg ging es mittels einer 180ø Kurve durch losen Kies in einen Tunnel mit starkem Gefälle. Die rasante Abfahrt endete wieder an einer 180ø Kurve mit losem Kies und wurde diesmal durch einem gehörigen Anstieg ergänzt. Hier musste ich beim Test am Vortag bereits absteigen, weil die Crosserreifen nicht genügend Traktion boten. Jetzt aber brummelte Ohare von hinten: "Winni weiterfahren!" Das machte ich dann auch und wir quälten uns durch die Büsche. Oben angekommen ging es ein paar Kilometer relativ gerade und zügig am Tagebau entlang.
Das Feld rüttelte sich zurecht. Die Spitze war allerdings schon deutlich außer Reichweite und einfach mal so Tempo machen ist bei dem Untergrund nicht Jedermanns Sache. Der Parkour führte uns auf eine derbe Schotterpiste mit faustgroßen Steinen. Was für ein Gehoppel. Auf Hoppelpiste ging es in Richtung Tagebaueinfahrt. Jetzt wurde die Strecke wieder recht technisch. Es ging über unbefestigte Wiesen scharf bergab. Das Ganze endete wieder an einer ruppigen Kurve. Wer hier nicht rechtzeitig umfangreiche Bremsmanöver eingeleitet hatte, machte unweigerlich Bekanntschaft mit der gegenüberliegenden Heckenlandschaft. Nach einer kleiner Erholungsphase ging es ganz auf den Grund des Tagebaus und von dort führte ein treppenartiger Anstieg auf die andere Seite. Bergbrezelfahrer hätten hier ihren Spaß gehabt. Selbst bei den MTBs drehten jetzt die Reifen durch. Die Rampen waren nur im Sitzen befahrbar. An dieser Stelle fuhr mir Ohare erwartungsgemäß davon. Oben angekommen wurde die Zwischenzeit manuell am Transponder abgescannt. Dies führte bei einigen Fahren immer wieder zu Verzögerungen. Dann erreichte man den Wendepunkt mit Verpflegungszone. Im Anschluss ging es auf der Gegenspur die Schotterrampen wieder runter. Ich schätze (es war mein Tacho, der am Vortag abgefallen war) hier ist man mit 50-60km/h die eirige Kiespiste runter gebrettert. Gegenüber gab es wieder einen Gegenanstieg. Somit musste von Kette rechts auf komplett Kette links umgeschalten werden, was bei den verdreckten Komponenten nicht immer auf Anhieb gelang. Selbst Fahrer mit Nabenschaltung hatten hier Probleme. Nach einem kurzen Flachstück folgte noch eine Rampe mit sandigem Boden und dann war man wieder raus aus dem Tagebau. Jetzt folgte wieder eine recht schnelle, wenn auch huckelige Passage. Nach 3-4km ging es wieder über die A38 vorbei an Belantis und in Höhe der Bistumshöhe war die Zufahrt zum "Bike-O-Drom", dem Start/Zielbereich mit seinen Schlammpassagen. Die Tortour mussten wir insgesamt vier Mal über unsere empfindlichen Rennradhintern ergehen lassen. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht.
1,5km vor dem Ziel hatte ich noch eine Schrecksekunde als beim Bergaufsprint an der Autobahnbrücke der Vordermann schlagartig das Tempo rausgenommen hat und ich sein Hinterrad touchierte. Ich strauchelte in Richtung Brückengeländer und konnte mich aber noch abfangen und weiterfahren. Das wär es sonst gewesen kurz vorïm Ziel.
Die Bilanz: Ohare hat mit 2:23h einen hervorragenden Platz (weiß ich nicht genau) in der Gesamtwertung, Platz 12 in meiner Ak belegt und eine Schlange überfahren. Winni ist mit 2:30h als Andreas G. auf Platz 50 gehoppelt und hat in dessen AK Platz 4 belegt (eigene AK ca. 19) und seine Tachohalterung zerstört. In der Mannschaftswertung sind wir gar aufïs Podium gefahren ;-). Eine Ganzkörper-Fango-Kruste gab es gratis für (fast) alle Teilnehmer.
Sehr loben möchte ich die gelassene Mentatlität der MTBler. Die Hektik und der teilweise übertriebene Ehrgeiz, wie man es von den Straßenrennen kennt, gibt es hier nicht. Es war eine sehr faires Rennen.
Und jetzt das Ganze noch in Bildern:

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