wollte mal noch ein paar Zeilen zur diesjährigen Vaetternrundan loswerden und erstatte hiermit formell Bericht.
Im Vorfeld ging es schon prima los:
Der avisierte Leihwagen ging zwei Tage vor Leihbeginn über den Jordan, damit war ein erneuter Anlauf nötig. Am Tag vorher ein Anruf bei Scandlines: Fähre kaputt - Saßnitz-Trelleborg kann nicht wie geplant genutzt werden. Also Fähre noch fix auf Rostock-Trelleborg umgebucht.
Am Tag der Abfahrt holte ich von Mario fix noch das RRL-Trikot ab (besten Dank nochmals!!!), doch hatte keiner an Mineralwasser gedacht. Lösung: "In Dölzig gibt es ´nen Schlecker!". Dort angekommen stellten wir fest, daß der Laden nicht mehr existierte....
Unter diesen guten Vorzeichen ging es dann am Nachmittag des 14.06. gen Rostock.
Die Fähre hatte dann auch nur ´ne Stunde Verspätung, also nichts ganz Schlimmes mehr und auch bis Motala lief alles prima.
Gegen 14:30 Uhr am Freitag holten wir die "Nummernlappan" auf dem Markt ab. Herrlichstes Sommerwetter, 22-24°C - einfach toll. Aber der Wetterbereicht sagte für die Nacht ein unglaubliches einzelnes Grad Celsius an. So richtig zu glauben war dies nicht, aber dennoch habe ich im hinter der Anmeldung befindlichen Radsport-Supermarkt wenigstens noch Ärm- & Beinlinge sowie Handschuhe mit langen Fingern erworben.
Nach zwei Stunden Nachmittagsschlaf gaben wir uns noch ´ne volle Ladung Spaghetti und erschienen pünktlich am Start zwecks Beleuchtungskontrolle und Aufstellung. Um 22:36 ging es dann auf die Strecke. Die Sonne war längst weg und es beschlich mich die leise Ahnung, daß die Wettervorhersage wohl doch recht behalten könnte. Doch noch war die Strecke dicht gesäumt von begeister(n)ten Schweden und die ersten Kilometer liefen ganz von allein.
Mit ´nem angenehmen 25-er Schnitt ging es die 109 km nach Jönköping, nur von zwei Pausen unterbrochen. Doch in den Pausen war es dann doch recht frisch, denn der Wind blies recht unangenehm durch die viel zu dünnen Klamotten. Wie hätte ich das wohl ohne den Spontankauf der "Winterklamotten" empfunden? Nach Gränna ging es nach 10 Minuten Pause in der Kälte noch 40 hm, verteilt auf 3 km Strecke bergab - es war erstaunlich, daß trotz des Zittern des Körpers das Radl noch geradeaus lief...
In Jönköping trafen wir gegen 04:00 Uhr ein, es gab Würstchen und Kartoffelbrei, Bananen und weitere Leckereien. Während der Mahlzeit ging die Sonne auf und machte Hoffnung auf ein Ende der "Eiszeit".
Nicht zuletzt die folgenden Höhenmeter zum Depot Fagerhult liessen dann aber die Kälte verschwinden. Dafür begann mein rechtes Knie zu muckern, was ich schon befürchtet hatte, aber eben nicht so früh am Tag. Möglicherweise hat die Kälte daran auch einen Anteil gehabt. Jedenfalls wurde es nicht wirklich besser, in Kombination mit den folgenden Anstiegen kam dann auch noch das linke Knie hinzu.
Nach 178 km trennte ich mich daher in Hjo gegen 09:30 von unserer Gruppe, um diese nicht zu bremsen und versuchte, die restlichen 120 km allein zu absolvieren. Vorher ließ ich mich noch massieren, wobei die Masseuse als Schmerzursache einen verkürzten Muskel im Oberschenkel diagnostizierte und mit magischen Händen ausmassierte.
Dies bedeutete jedoch für die Weiterfahrt, daß ich zwar schnell kurbeln konnte, es aber zunehmend mehr in den Knien schmerzte, wenn ich versuchte, die Kraft auf die Pedale zu bringen. Ganz leichte Steigungen gingen noch zu fahren, aber alles, was nach Hügelchen aussah, mußte ich dann schon hoch schieben.
Für die folgende Strecke galt die Devise: in jedem Depot massieren lassen, nichts übertreiben und vor allem nicht die Hand heben, wenn wieder ein Begleitwagen auf der Suche nach Abbrechern ist.
Die 101 km bis zur nächsten Zeitnahme dauerten 11 Stunden und 26 Minuten. Meine Mitfahrer waren längst angekommen und in Sorge ob meines Verbleibes, während ich ständig im Kopf überschlug, ob ich noch vor 24 Uhr ankommen kann. Die vielen Vorbeifahrenden konnten sicher nicht wirklich verstehen, warum man bei kleinsten Steigungen sein Rad schon schiebt, aber was sollte ich machen?
Im letzten Depot vor dem Ziel war das Massageteam schon weg, weshalb mir das Rote Kreuz mit Salbe und Schlauchbinde die Schmerzen erträglicher gestaltete. Die letzten 21 km waren dadurch sogar wieder etwas schneller und nach 01:28 endlich geschafft und ich fuhr (!) um 22:03 über die Ziellinie, während die ersten Tropfen des nun einsetzenden Regens herabfielen.
Eine letzte Massage, das Zieleinlaufbier und der eiskalte Nudelsalat waren die Krönung eines langen Tages auf und neben dem Rad.
Erstaunlich war nur, daß ich den Fußmarsch in den Radschuhen blasenfrei überstand, während die Time-Platten natürlich nur noch zum Wegschmeißen sind.
Die Schmerzen im Knie sind langsam am Vergehen, die Heimtour war lang, aber unspektakulär. Highlight des Tages war das Treffen mit Ritzelconnection auf der Fähre nach Rostock (an dieser Stelle beste Grüße!
).Fazit: Man kann die Vaetternrundan sogar schaffen, wenn man nur 200 km fährt und den Rest läuft. Es mag bekloppt klingen, aber ich denke, nächstes Jahr wäre es noch einen Versuch wert, vielleicht unter 20 Stunden zu kommen....
Für die Freunde harter Fakten:
Depot Uhrzeit km
Anfang 22:36 0
Jönköping 03:54 109
Hjo 09:09 178
Medevi 20:35 279
Ende 22:03 300
Gesamtdauer 23:27 Gesamtschnitt: 12,79 km/h
Fahrt-/Rolldauer 16:20 Durchschnitt: 18,80 km/h
Pause/Massage 7:07
Und jetzt?
Genau: bin bei meinen drei
und werde gleich
(aus rein medizinischen Gründen)
Ralph
Nachtrag:
Habe noch etwas nach der Ursache des Problems gegoogled und bin auf das Tractus iliotibialis-Syndrom gestoßen. Hat jemand ähnlich häßliche Erfahrungen gemacht und vielleicht ´nen Tip, wie man dies lindern bzw. abstellen kann? Evtl. klappt es ja schon mit entsprechenden Dehnungen, ohne gleich unter's Messer zu müssen...
