Tag 2.
Das Wetter ist phantastisch elastisch und wechselvoll. Erst dicke Regenwolken, dazwischen ein Band freundlicher Sonne, dann kommen schon wieder die Schreckgespenster eines jeden Radfahrers. Onkel Kachelmann sagt Schnee voraus für den Fichtelberg. Ich habe ein Einsehen und ändere die Route (was letztlich auch ein Fehler sein soll, dazu aber später mehr).
Los gehts in Gelenau (447 Meter über Null).
Zum Einrollen gehts den Ort hinauf bis zur B95 (562). Das Herz hüpft um die 162 mal in der Minute, Abfahrt tut Not und so geht es mit rauschenden 75 km/h über die B95 hinab nach Burkhardtsdorf (389).
Jetzt kommt die wahre Einroll-Phase. Über Kemtau nach Dittersdorf, kleine Strasse, hübsch waldig, hübsche große Schlaglöcher. In Dittersdorf wird die Strasse besser, allerdings beginnt nun auch schon die mentale Vorbereitung auf den nächsten bösen Ansteig. Erst noch nach Einsiedel, dann kurz hinter dem Bahnübergang rechts weg (338) - und steil hoch. 10 Prozent behauptet das Verkehrsschild, wenn dem so ist, fühlen sich 10 Prozent manchmal böse an. Allerdings - es gibt auch eine positive Überraschung - der Asphalt ist neu, es rollt sich traumhaft. Es geht über knapp 2 km an der Talsperre vorbei hinauf zum Rasthof Goldener Hahn an der B 95 (484).
Die Bundesstrasse ruht in sich selbst, so wird die Passage zur freundlichen Radtour, beschränkt sich aber auf knapp 400 Meter, denn da wartet schon die Abfahrt nach Altenhain über löchrige Strassen und die Fahrt durchs Sternmühltal über besten Aspahlt nach Erdmannsdorf und damit zur Kletterei an der Augustusburg. Vorher 300 Meter Kopfsteinpflaster-Steigung bei 10 Prozent und dann die legendären (im Erzgebirge) 2,5 km hoch zur Burg, schön durch den Wald. Unten an der Bahnbrücke zeigt mir der Höhenmesser 276 - oben sind es dann 446. Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn in Augustusburg geht es erstmal noch ein Stückchen berghoch (459) bevor es in rasanter Fahrt durch den Wald und beste Strasse hinab nach Waldkirchen-Tal (330) geht - und dann über die berüchtigte Kehren von Waldkirchen nach Waldkirchen-Berg (553). Keuchend angekommen, blässt mir der Wind ins Gesicht und treibt einen kurzen heftigen Hagelschauer heran.
Börnichen wartet und dann geht es kurz auf die Strecke der Olbernhauer Radtour. Börnichen links ab in den Wald - erst kurz den Berg hoch (543), dann für 3 km bergab. Wünschendorf sehe ich nur im Flug bei Tempo 60. Lengefeld ist die nächste Station. Auf der anderen Seite des Tals, dass sich vor mir auftut. So rase ich dem Talgrund entgegen (391) und mühe mich die Kehren hinauf, durch Lengefeld durch Richtung Heinzebank. Dazwischen 14 prozentiger Asphalt und 10prozentiges Kopfsteinpflaster. Wenigstens scheint die Sonne.
Mein Polar zeigt 11 Grad - gutes Radwetter. An der Heinzebank (613) kann ich schon einen ersten Blick auf mein nächstes Ziel werfen: Annaberg-Buchholz, wie es sich in der Sonne räkelt und an den Pöhlberg kuschelt. Doch der Weg dahin ist noch weit. Aber erstmal entspannend. Es geht bergab, durch Hilmersdorf und Gehringswalde (376) und über die B101 nach Schönbrunn. Dort links weg und Richtung Mauersberg. In Boden (436) hat das Rollen ein Ende, denn die Steigung nach Mauersberg wartet. 2 km sollen es sein, sagt das Schild. Mir kommt es länger vor, aber egal. Mit 39/23 kommt man überall hoch (okay ich weiss

) Mauersberg (582) läutet so ganz langsam das Ende der Tour ein.
Es sind nur noch 2 böse Ansteige.
Der erste wartet nach Mildenau und Geyersdorf (474) - die geschwungene Strasse hoch nach Annaberg-Buchholz. Auch hier - Überraschung. Der Asphalt ist neu. Wo du früher den Schlaglöchern ausweichen und Slalom fahren musstest, ginge es jetzt sanft und surrend dahin, wenn die 10 Prozent nicht wären. Dennoch es rollt gut und 8 Mnuten später bin ich dann in Annaberg-B. (629).
Doch meine gute Laune weicht schlagartig, denn über Annaberg haben sich schwarze Wolken ausgebreitet, mein Polar spricht von 3 Grad.
Ich ahne schlimmes und nehme erstmal die Abfahrt zum Frohnauer Hammer und weiter nach Tannenberg (472) und dann Richtung Geyer.
Irgendwo dazwischen beginnt das Inferno (mein Inferno jedenfalls) - aus den Regentropfen werden richtig große und richtig nasse Schneeflocken. Die Brille ist sofort beschlagen, die Sicht wird immer schlechter weil der Schneefall immer dichter. Geradeaus schauen kann ich auch nicht mehr, denn mit Schneeflocken im Auge fährt sich nicht so schön. Meine Handschuhe sind für diesen nassen Schnee nicht gewappnet und sofort durch, 1 Grad zeigt der Polar, meine Mütze ist nur noch weiss.
Ich hasse radfahren, kämpfe mich durch Geyer und hinauf zum Greifenbach-Stauweiher (664). Doch die Abfahrt nach Jahnsbach ist keine Freude, ich spühre die Finger nicht mehr, die Hosen sind durch. Ich bin nur noch Eis, aber immerhin, das Ziel ist nah. Jahnsbach (503), Thum, in Herold (426) hört es endlich auf mit schneien und dann endlich Gelenau und wieder Sonne. Den Schluss-Stieg zu meiner Erzgebirgsbasis bekomme ich gerade so hin - und dann ist Schluß.
Die Daten:
110 km
1810 hm
4:20 h (25,6 km/h - ich weiss, ich werde immer langsamer).
P.S. Moderne 3,5-Disketten machen es möglich, die Höhenprofile doch schon jetzt einzustellen.
Ich fahre...