Heute in der LVZ:
Stadt will Ring für Radfahrer öffnen
Stellenweise Freigabe schon ab Herbst vorgesehen / ADAC warnt: Verkehrssicherheit akut gefährdet
Leipzig plant, Teile des Innenstadtringes für den Radverkehr freizugeben. Das bestätigte gestern der Leiter der Straßenverkehrsbehörde, Michael Jana, gegenüber der LVZ. "Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, der jetzt in der Diskussion ist." Noch in diesem Herbst soll die Freigabe erfolgen.
Im Gespräch sind der nördliche Ring-Bereich (Tröndlinring), der Abschnitt zwischen Gerber- und Löhrstraße sowie der Martin-Luther-Ring. Überall dort, wo es derzeit keine Alternativen gibt, soll der Radverkehr auf den Ring geleitet werden.
Als Anlass für diese Planungen nannte Jana eine bundesweite Verkehrsrechtsänderung. "Mindestgeschwindigkeiten dürfen in Ortschaften nicht mehr angeordnet werden", so der Verkehrsexperte. Doch genau diese gelten bislang für den Promenadenring. Überall entlang der zumeist vierspurigen Trasse stehen blaue Schilder mit einer weißen 40 darauf. Sie bedeuten, dass auf dem Ring mindestens 40 Kilometer pro Stunde zu fahren sind. Damit schließen sie eine Nutzung durch Radfahrer aus.
"Unser Ziel ist es, die Schilder im Herbst abzuschrauben", so Jana. Dann dürften Radfahrer grundsätzlich auch auf dem Ring fahren - es sei denn, die Stadt verbietet es. Doch genau das will die Verwaltung nicht und favorisiert daher Teilfreigaben für den Radverkehr. Derzeit würden dazu Stellungnahmen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ausgewertet. "Sie werden in einen überarbeiteten Vorschlag der Verwaltung münden", so Jana. Dem Vernehmen nach soll sich der Stadtratsausschuss Stadtentwicklung und Bau im August mit dem Thema befassen.
Der ADFC lehnt den Vorschlag zwar ab, "weil es bessere Möglichkeiten für Radfahrer gibt". ADFC-Sprecher Ernst Demele begrüßte jedoch die Bereitschaft der Stadt, "einen vernünftigen Konsens" zu suchen. Gleichzeitig warnte er Jana davor, sich unter Zeitdruck zu setzen, da nunmehr die Gelegenheit bestehe, ein "attratives Angebot zum Radfahren zu machen". Demele: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Voraussetzungen zu schaffen, schrittweise Radfahrstreifen auf dem Ring auszubauen." Im Idealfall auf dem gesamten Innenstadtring.
Genau das stößt beim ADAC auf heftige Ablehnung. "Die Abwicklung des Fahrverkehrs auf dem Promenadenring in Leipzig verläuft trotz starker Belegung nach unseren Beobachtungen optimal und flüssig", heißt es in der Stellungnahme des Automobil-Clubs. Er sehe "grundsätzlich keine Notwendigkeit", schreibt darin Thomas Kühl, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik, den Radverkehr "auf dieser Hauptnetzstraße zuzulassen, da ausreichend Ausweichstrecken innerhalb des Rings und am Ring selbst existieren". Notfalls könnten sich Radfahrer und Fußgänger auch breite Gehwege teilen. Dies sei zwar nicht befriedigend, "aber noch eher vertretbar als das Radfahren auf dem Ring." Eine Reduzierung von Fahrspuren zu Lasten des Kraftfahrzeugverkehrs lehne der ADAC jedenfalls kategorisch ab. Und wie auf jeder anderen Straße Radfahrer auf dem Ring einfach zwischen den Autos mitfahren zu lassen, sieht der Automobil-Club "äußerst kritisch". Sie würden dadurch sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen. "Die Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs auf dem Promenadenring wären akut gefährdet", prophezeite Kühl. Klaus Staeubert © Standpunkt
Standpunkt:
Fahrräder auf dem Ring schaden Leipzig
Von Klaus Staeubert
Man muss weder Auto- noch Fahrrad-Lobbyist sein, um zu erkennen: Mit der Zulassung des Radverkehrs auf dem Ring wird die Verwaltung in der Zweiradgemeinde zwar Lorbeeren einheimsen. Doch langfristig schadet sie damit Leipzig.
Es gibt kaum eine Großstadt, die nicht unter innerstädtischen Verkehrsproblemen leidet. In Leipzig fließt der Verkehr dagegen sogar dann noch fast reibungslos über den Ring, wenn eine Baustelle aufmacht. In dieses über Jahre gewachsene System ohne Not durch Fahrspurreduzierungen einzugreifen, ist kurzsichtig und töricht. Denn der Verkehr wird zunehmen.
Die neue Zoo-Attraktion Gondwanaland lockt schon bald Massen und damit mehr Autos in die Stadt. Nach den Planungen sollen die Zoo-Besucher sogar auf die Parkhäuser entlang des Ringes ausweichen, wenn Stellplätze vor Ort voll sind. Die Entwicklung im Fußball lässt hoffen, dass künftig auch im Stadion mehr los sein wird. Leipzig braucht deshalb leistungsfähige und keine amputierten Verkehrswege.
Naja, es ist ja auch ein Sommerloch zZt in LE, nicht wahr!?
