Vorneweg: Mich freut es ungemein, daß Charlie endlich das Ergebnis erzielen konnte, das er schon längst mit seiner Leistung verdient gehabt hätte.
1. Runde
Michael nutzte den Vorstart, um sicher die Hälfte des Feldes innerhalb der ersten 20 Sekunden in den tiefroten Bereich zu fahren...einigermaßen übermotivert schossen wir also fast über die Startlinie. Der Schuß fällt, Charlie jammert sofort, daß er nicht in die Pedale komme, was mich - ganz ehrlich - auf den ersten zehn Metern eines Radrennens nicht besonders interessiert.
Sofort setzt sich wie gewohnt das schwarze Trikot an die Spitze und sichert uns so bequem die vordersten Positionen im Feld. Ich habe schon Bedenken, daß Charlie bereits zu viel investiere, als er - endlich - selbst langsamer wird und die Führung abgibt. Allerdings nutzen andere Fahrer sofort das abfallende Tempo und passieren mich auf beiden Seiten der Straße. Etwas zu weit hinten fahre ich ganz rechts in die Kohlenstraße, kann schwungvoll gleich fünf Leute in der Kurve überholen, wechsele auf die linke Straßenhälfte und sehe, wie ein Bikekult-Fahrer (Nr.74) mit sehr ordentlichem Tritt bergan stiefelt. Der Zuruf von Charlie ist nicht nötig, ich hefte mich natürlich sofort an das flotte Hinterrad. Bei über 20 km/h im Steilstück habe ich zwar keine Probleme, dem blauen Trikot zu folgen, aber wirklich angenehm ist das schon längst nicht mehr.
Halsbrecherisch schießt Nr. 74 die Schloßstraße bergab, daß ich nach der Linkskurve auf die Muldenstraße meine liebe Not habe, wieder ans Hinterrad zu kommen. Ein Blick zurück zeigt eindrucksvoll, wie nur 1200 m genügen, um ein Fahrerfeld aus knapp 100 Fahrern auf lediglich sieben Leute zu reduzieren, die zum Teil noch heftigst damit beschäftigt sind, kleinere Lücken zu schließen. Ich leiste meine Alibiführung in der Spitze und verkrümele mich wieder etwas weiter nach hinten.
2. Runde
Nach dem gemächlichen Hohnstädter schleichen sich Charlie und ein Bikekulttrikot aus dem Feld. Um Punkte für die Fair-Play-Wertung zu gewinnen, weise ich Nr. 74 darauf hin, daß der Schwarze "meiner" sei, nachdem er bereits heftig mich und die übrigen Faultiere zur Nachführarbeit aufgefordert hatte. Beide werden wieder gestellt, und es geht erneut in die Kohlenstraße. Ein gemächliches Tempo, bei dem sich wiederum ein Fahrer von Bikekult und Heiko leicht absetzen können. Ich bremse Charlie etwas ein, und wir fahren nun taktisch immer an der Spitze den Nachsetzern hinterher bzw. verzögern möglichst unauffällig das Tempo.
Als Charlie erkennt, daß Heiko mit dem starken Begleiter (Nr. 73) vor allem auf den Flachstücken so seine Mühe hat, setzt er sofort nach und versucht die Lücke zu schließen. Hinter ihm verwalten mi67 und ich wiederum Charlies Vorsprung vor den Verfolgern. Die Situation wiederholt sich: Michael springt zu Charlie, beiden fahren zu Heiko auf, und nun habe ich drei Teamkollegen an der Spitze, nur das starke Blauhemd noch vor ihnen. In der Nachführarbeit engagiert sich kaum jemand, ein einzelner Fahrer scheucht die Ausreißer am Hohnstädter vor sich her, und mit etwas Hilfe kann er noch vor Beginn der eigentlichen Abfahrt nach Bahren auch die kleine Lücke schließen.
Mist, eigentlich hatte ich mich schon auf den Feierabend eingestellt, aber der Feroxmann war eben immer noch vorne.
3. Runde
Charlie pflügt durch den Beginn der Kohlenstraße, will aber meinem Wunsch, noch etwas schneller zu fahren, nicht nachkommen.

Der tapfere blaue Punkt kämpft sich schwankend den Berg hinauf, und am unteren Steilstück setze ich dann nach. Meine Schaltung hakt gewaltig, wird sich aber wie die Lunge fügen müssen...schnell schließe ich auf Nr. 73 auf und sehe auch hinter mir eine veritable Lücke. Tja, und dann beginnen die Dummheiten. Zu verlockend erscheint mir der Windschatten des eingeholten Fahrers für die Muldenstraße, als daß ich ihn - wie ich es hätte tun sollen - noch am Anstieg loswerde. In Richtung Grimma bläst der Wind gewaltig von vorn und schiebt sich der Begrenzer im Kopf leider in den Vordergrund. Mein Fluchtgefährte ist sichtbar platt, ich taktiere mit dem Hohnstädter vor Augen schlicht zu viel. Vor der Muldenbrücke verrät der Blick zurück die Verfolger schon dicht auf unseren Fersen, aber ich bin noch guten Mutes. Dann, vielleicht 200 m nach der Rechtskurve, geht es ganz schnell, Michael fliegt vorbei, und ich schalte - dritte Dummheit - sofort ab, schleiche mit 25 km/h hinter den Leutchen her, die, das sehe ich zu spät, weiter oben dann doch das Tempo nicht halten.
Wenn Charlie den Sprint nicht gewonnen hätte...
Aber so, haben wir natürlich alles richtig gemacht.
