Zu Ascheffel:
Die Orga: sehr nette, fast schon familiäre Atmosphäre; alles klappte wie am Schnürchen - dickes Lob!
Die Bedingungen: kalt, sonnig, der Wind durch hohes Gebüsch oder Bäume am Straßenrand viel weniger dominierend als befürchtet.
Der Kurs: für unsere Vorstellung von Schleswig-Holstein erstaunlich wellig. Gleich vom Start weg ging es mit geschätzten 6% und gefühlten 10% nach oben, dann in sanften Schwüngen durch die Landschaft. Über eine kurze und nicht allzusteile Abfahrt im Wald eilt man auf eine Kreuzung zu, die eine Verengung mit Rechtsknick einleitet, aber zum Glück stets mit hinreichender Disziplin durchfahren wurde. Danach wurde der Straßenbelag mittelprächtig, um nach einem erneuten Rechtsknick (mit flacher Bordsteinkante) ins Bodenlose zu fallen. Um uns herum pfiff es mehr als nur ein Mal, und die Straße wurde mehr und mehr von unfreiwilligen Zuschauern gesäumt. Schlaglöcher der Sonderklasse, Hinterlassenschaften der Treckerfahrer und undefinierbare Straßenränder, die in Lehmmulden führten, machten das Navigieren zur Kunst. Est auf den letzten 2 km wieder alles in schöner Ordnung und es geht nur leicht verwinkelt gen Ziel. Eine allerletzte Schikane wurde von den Amateurklassen gut genommen, zwei Hobbyklässler hatten aber wohl die Bordsteinkanten entweder der Innen- bzw. Aussenseite weiter entfernt gesehen, als sie waren ...
Das Rennen (C-Klasse): Univega komplett an der Spitze eingereiht ging es nach dem üblichen nervöden Getrubel im Startblock endlich auf die Reise. Natürlich muss man den Startberg gleich voll hochhämmern und oben auf Lungenkapazität-Grenze weiterhetzen. Mancher war wohl schon auf dem ersten Kilometer im Delir und die Fahrweise war überwiegend ruppig. Kaum verwunderlich, wurde ich schon bei Kilometer 2 das erste Mal von der Straße abgedrängt und arbeitete mich über die Bankette wieder auf den Asphalt zurück. Die folgenden 2 Runden gehörten zum Ekligsten, was ich an Fahrweise und Antritt-Brems-Chaos so erlebt habe. Die Schenkel quietschten bald mit den Bremsen um die Wette, und ich befand mich gefühlt am Feldende, was aber wegen der schmalen Straßen und des langgezogenen 140er-Feldes eher ein Trugschluß war - nur an ein Umdrehen war bei der nervösen Fahrweise kaum zu denken. Vorn hielten offensichtlich KED-Bianchi undUnivega das Tempo hoch. In den kurzen Momenten, in denen man mal auf die Digitalanzeige senken konnte, standen da so komische Zahlen wie 48, 46 oder 52. Die Runde 3 von 6 brachte ausser noch stärkerem Ziehen in den Beinen nur mal die Möglichkeit, mit Charlie zu quatschen, der sich angesichts der unrhythmischen Fahrweise offensichtlich noch leidlich gut fühlte. In der 4. Runde war dann die Fahrweise wieder etwas gleichmäßiger und ich konnte freie Bahnen neben dem schmal aufgereihten Feld nutzen, um mich endlich mal etwas nach vorn zu orientieren. Prompt kam ich neben Renzo Wernicke an und wurde von ihm darüber informiert, dass vorn noch niemand herausgefahren war. Ich beschloss also, möglichst nicht mehr hinter die vorderen 50 zurückzufallen, was mit der Zeit immer besser gelang. An Aktionen nach vorn war von meiner Seite aus nicht zu denken, da ich selbt oft genug kurz vor dem Anschlag war. Erst in der 5. Runde wurden meine Beine wieder erstaunlich locker und ich hatte kein Problem mehr, eine Position in den vorderen 30 zu behaupten. Dummerweise hatte ich zu Beginn der 5. Runde aber noch verpasst, dass sich doch eine Spitzengruppe bereits abgesetzt hatte. Angesichts meiner momentanen Fähigkeiten wäre ich aber mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit nicht fähig gewesen, in dieser Gruppe mitzugehen. Vielleicht war mein Unwissen aber auch hilfreich, denn langsam begann ich, mir mögliche Chancen zurechtzulegen. In der 6. Runde dann drei Attacken, die ich jeweils mitging. Die erste war von sehr kurzer Dauer, die zweite währte einen Kilometer und mein avisierter Startpunkt für ein "letzte-1,8-km-Spiel" war noch nicht erreicht, da gingen etwa 3 km vor dem Ziel wieder 2 Fahrer vorn raus. Alles egal, jetzt oder nie, dachte ich mir und stiefle hinterher, hinter mir auch brav eine Lücke reissend. Nach dem Zusammenschluss lief das Trio für ca. 1,5 km gut, dann kam ein Rechtsknick, der in allen Runden stark angebremst wurde. Ich war gerade vorn und im Schwung, greife meine gern mal zappelnde Giant-Möhre tief und bohre ungebremst über den Knick, dahinter gleich wieder deftige Tritte setzend. Ein Blick zurück - ich war allein. Also jetzt noch einen ganzen Kilometer ackern. Es war klar, dass ich nur Chancen habe, wenn ich dem Feld nicht zeige, das es mich einfach holen könne. Also wurde das Delirium mobilisiert und verlängert, was noch ging. tatsächlich kam ich noch vor dem Feld auf die Zielgerade und hatte vor mir noch ein Dreiergrüppchen, welches ich einer Parallelkonkurenz zuordnete - tatsächlich waren es aber Fahrer, die aus der Spitzengruppe herausgefallen waren. Ich fuhr gerade noch zu ihnen auf, aber nicht mehr vorbei. Dennoch: Platz 19 und die Erkenntnis, dass eine "letzte-2-km-Flucht" nicht völlig unmöglich ist, waren der Lohn des Tages ... OK, ausser dem Briefumschlag mit der kleinstmöglichen Stückelung von Papiergeld.
... ansonsten sind von uns eher Ausfälle zu vermelden; Charlie wegen Abdränger, clem mit Krämpfen und Sippe, der zwar herausfiel, aber die Distanz dann mit anderne Gruppen und Grüppchen noch ehrenhaft zu Ende fuhr. Zoro zeigte gutes Entwicklungspotential - vor allem am Berg, wo er in seiner Gruppe ganz vorn lag.
Fazit: sehr schönes, sehr anstrengendes WE, welches klar gezeigt hat, was noch alles zu tun ist.
Abends übrigens sehr nette Runde im Ferienhaus. Davon aber (vielleicht von den Einwohnern desselben?) später ...