Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....
Verfasst: Fr 5. Sep 2008, 18:59
So nach all den spannenden Berichten, versuch ich es auch mal. Man labt sich ja so gern am Leid anderer.....
Also, vor Wochen reifte der Plan: Es muss doch endlich mal richtig in die Berge gehen. Und dort wo es warm ist. Also: Ausland. Wie gut, dass man eine Schwester hat, die am Gardasee wohnt. ;-)
Vorher habe ich mit tatkräftiger Unterstützung von Boris (ich habe gekauft, er hat montiert. Aber nun habe ich ja viel gelernt) mein Fahrrad gründlich umgebaut. Die alte Ultegra kam runter, nun fahre ich Dura Ace. Okay, der Vollständigkeit halber: Ganz kurz - tatsächlich nur für eine Tour - habe ich es mit einer Kompakt-Kurbel ausprobiert. Und ich sage nur: NEIN, danke. Schmunzelt ruhig, aber 3-fach ist mir lieber.
Gut nachdem auch noch reichlich neue Ausrüstung dazu kam, war es dann soweit. Am Samstag (30.08) wurde das Auto gepackt und los ging es. Nach ruhiger Fahrt (wieso reden die Leute eigentlich immer so aufgeregt über den Brenner? Laaaangweilig!) waren wir - mein Bruder kam mit. Einer muss ja das Begleitfahrzeug steuern. ;-) (vom Besenwagen möchte ich nicht reden...) - ach ja, wir waren dann am Abend da. Vorsorglich hatte ich bei meiner Schwester Nudeln bestellt. Lecker und Power.
Dann war es soweit. Sonntag. Heute wollte ich also meinen ersten Pass fahren. Ausgesucht hatte ich mir den Monte Baldo. Der thront auf der Ostseite des Gardasees.
Und so lief der Tag....
Aufgestanden bin ich erst gegen 10.30 Uhr. Ja, spät, aber war auch erst um 2 Uhr im Bett und ausreichend Schlaf wollte ich schon als Grundlage haben. Mein Rad war relativ schnell montiert, alles andere dauerte etwas. Obwohl schon so oft getan, schlug die Vorfreude und Nervösität auf jeden Handgriff. Dann alles ins Auto und schon war ich auf dem Weg nach Torbole, ganz im Norden. Eine elendig lange Strecke, vor allem wenn man nur mit maximal 60 voran kommt, weil so viel Verkehr ist. Aber ich sah auch viele Rennradler. Meine Vorfreude stieg weiter.
In Torbole fand ich schnell einen Parkplatz, packte aus und schaltete den Edge ein. Die Tour, die ich gespeichert hatte, startete eigentlich erst in Mori, aber ich dachte bis dahin kann ich mich ja ?einrollen? - blöde Idee!! Kaum war ich vom Parkplatz los, zeigte der Edge nach links und ich fluchte. Vor mir stieg die Strasse steil und gerade empor. Eigentlich wollte ich es ja nicht, aber nach den ersten hundert Metern, schaute ich auf die Steigungsrate: 12%. Toll. Eine gute Einstimmung. Auf der Abfahrt von Nago nach Mori erholte ich mich wieder etwas und dann wurde der Verkehr auch immer ruhiger. Jetzt begann der gut 26 Kilometer Anstieg auf den Passo Canaletta. Laut Höhenprofil mit durchschnittlichen Steigungen von 9%. Was halt so ein Durchschnitt über die Praxis sagt....
Der Anfang war okay, 7 - 8%. Das war alles angenehm. Wetter nicht zu warm (wieso hat der Edge 705 keine Temperaturanzeige???), ich liess eine Kehre nach der anderen hinter mir. Dann ging es zur Erholung ein paar Meter runter. Die kurzeitige Pause wurde an der nächsten Ecke bestraft: 16%. Und nicht schlimm genug, auf den folgenden Kilometern waren es immer so 11 - 12%, 9% waren schon eine Erholung.
Irgendwann musste ich dann mal stoppen. Es war mein erster Pass und ich hatte noch mehr als die Hälfte vor mir. Lieber den Stolz besiegen, als später komplett einzugehen. Nach 5 Minuten ging es weiter. Leider wurde es auch immer kühler, 8 Kilometer vor der eigentlichen Passhöhe, lockte eine kleine Imbissbude zur Pause ein. Da es eh gerade flach war, stoppte ich. Von dem merkwürdig riechenden Käse und Schinken liess ich die Hände, aber Trinken war willkommen. Der Verkäufer reagierte auf den Wunsch nach Wasser unwirsch - kein Wunder, überall standen Weingläser herum - dafür gab es eine Fanta. Dann begann ein landschaftlich wunderschöner Teil. Kleine Tunnel, Wiesen. Toll. Und bei moderaten 7 - 8 % war auch ein wenig Zeit zum geniessen - das grosse Ritzel immer schön tretend. ;-)
Plötzlich hörte ich Glocken, ich erwartete hinter der nächsten Kehre schon Einheimische, die den Fremden anfeuern wollten. Doch es war nur eine riesige braune Kuh, die gemütlich Gras knabberte. Ich liess mich dennoch antreiben und dann war ich auch schon oben. Dort unter tief hängenden dunklen Wolken und im eisigen Wind merkte ich: Der Weg ist das Ziel. Die Passankunft, doch eher unspektakulär. Da hatte ich doch mehr erwartet. Dass mir der Berg noch etwas spezielles zu geben hatte, konnte ich da ja noch nicht ahnen.
Also auf in die Abfahrt - jetzt kam Freude auf, auch weil ich wusste nun kommt nix grosses mehr. Nach ein paar Kilometern rasender Fahrt - ungewohnt sich mit mehr als 13 k/mh zu bewegen ;.) - noch der Zwangstopp am Bocca die Nova. Von der Stelle hat man einen berauschenden Blick auf den Gardasee, der 1.200 Meter unter einem schlummert. Da wollte ich jetzt auch hin und fuhr weiter. Und dann kam der Tiefpunkt.
Da, wo wohl noch vor ein paar Tagen eine gut geteerte Strasse war, klaffte ein riesen Loch. Geröll, Bäume Steine hatte die Strasse einfach weggerissen. Jetzt verstand ich die Warnschilder weiter vorn. Im jugendlichen Leichtsinn, hatte ich sie nicht nur ignoriert, sondern auch noch gedacht: Ach, sicher nur eine Baustelle - geht schon. Nix da. Und dann wurde mir klar: Ich muss alles wieder zurückfahren. Die rauschende Abfahrt bis hier hin, kostete mich nun unnötigen und nicht eingeplanten Schweiß. Gut für die Sammlung von Höhenmetern, schlecht für meine Energiespeicher. Nun erklomm ich also innerhalb kurzer Zeit zum zweiten mal den Pass - auch diesmal hielt ich nur, um Weste und Armlinge zu richten - dann rein in die Abfahrt. Auch das für mich eine echte Premiere. Am Anfang fuhr ich recht zögerlich. Als dann plötzlich ein leicht verbrannter Geruch vom Vorderreifen zu mir aufstieg, fiel mir der oft gehörte Tipp ein: Bremsen immer wieder lösen, sonst werden sie zu heiß. Gesagt, getan, nun ging es deutlich flotter runter, so flott, dass ich hinter manchem Auto bremsen musste, weil die Dame meine alte Taktik fuhr.
Unten in Mori war es dann wieder deutlich wärmer. Oben hatte ich noch gefroren. Jetzt nur noch nach Torbole rollen - dachte ich mir und hätte es besser wissen müssen. Da mir der Edge an der Passhöhe abgestürzt war (plötzlich war er aus und das wiederholt. Erst als ich die Navigation beendete ging es wieder - doch später war die Datei defekt, laden auf den Rechner ist nicht möglich :-( ) schaute ich nicht auf die Karte. Im Hochgefühl des ersten Passes fuhr ich nach Nase. Was für ein Blödsinn. Auf der Gegenspur staute sich der Verkehr kilometerlang. So dicht, dass ich glatt die Abfahrt nach Torbole verpasste. Super. Fiel mir erst auf, als links kein See mehr war. Also wieder umdrehen und wieder bergauf. Aber das ging recht flott, so dass ich bald glücklich neben meinem Auto stand und Stopp drückte. Durch die verweigerte Fahrt über Avio, waren es zwar nur 80 Kilometer, aber immerhin 2.000 Hm. Ein guter Start in die nächsten zwei Wochen. ;-)
G.
Also, vor Wochen reifte der Plan: Es muss doch endlich mal richtig in die Berge gehen. Und dort wo es warm ist. Also: Ausland. Wie gut, dass man eine Schwester hat, die am Gardasee wohnt. ;-)
Vorher habe ich mit tatkräftiger Unterstützung von Boris (ich habe gekauft, er hat montiert. Aber nun habe ich ja viel gelernt) mein Fahrrad gründlich umgebaut. Die alte Ultegra kam runter, nun fahre ich Dura Ace. Okay, der Vollständigkeit halber: Ganz kurz - tatsächlich nur für eine Tour - habe ich es mit einer Kompakt-Kurbel ausprobiert. Und ich sage nur: NEIN, danke. Schmunzelt ruhig, aber 3-fach ist mir lieber.
Gut nachdem auch noch reichlich neue Ausrüstung dazu kam, war es dann soweit. Am Samstag (30.08) wurde das Auto gepackt und los ging es. Nach ruhiger Fahrt (wieso reden die Leute eigentlich immer so aufgeregt über den Brenner? Laaaangweilig!) waren wir - mein Bruder kam mit. Einer muss ja das Begleitfahrzeug steuern. ;-) (vom Besenwagen möchte ich nicht reden...) - ach ja, wir waren dann am Abend da. Vorsorglich hatte ich bei meiner Schwester Nudeln bestellt. Lecker und Power.
Dann war es soweit. Sonntag. Heute wollte ich also meinen ersten Pass fahren. Ausgesucht hatte ich mir den Monte Baldo. Der thront auf der Ostseite des Gardasees.
Und so lief der Tag....
Aufgestanden bin ich erst gegen 10.30 Uhr. Ja, spät, aber war auch erst um 2 Uhr im Bett und ausreichend Schlaf wollte ich schon als Grundlage haben. Mein Rad war relativ schnell montiert, alles andere dauerte etwas. Obwohl schon so oft getan, schlug die Vorfreude und Nervösität auf jeden Handgriff. Dann alles ins Auto und schon war ich auf dem Weg nach Torbole, ganz im Norden. Eine elendig lange Strecke, vor allem wenn man nur mit maximal 60 voran kommt, weil so viel Verkehr ist. Aber ich sah auch viele Rennradler. Meine Vorfreude stieg weiter.
In Torbole fand ich schnell einen Parkplatz, packte aus und schaltete den Edge ein. Die Tour, die ich gespeichert hatte, startete eigentlich erst in Mori, aber ich dachte bis dahin kann ich mich ja ?einrollen? - blöde Idee!! Kaum war ich vom Parkplatz los, zeigte der Edge nach links und ich fluchte. Vor mir stieg die Strasse steil und gerade empor. Eigentlich wollte ich es ja nicht, aber nach den ersten hundert Metern, schaute ich auf die Steigungsrate: 12%. Toll. Eine gute Einstimmung. Auf der Abfahrt von Nago nach Mori erholte ich mich wieder etwas und dann wurde der Verkehr auch immer ruhiger. Jetzt begann der gut 26 Kilometer Anstieg auf den Passo Canaletta. Laut Höhenprofil mit durchschnittlichen Steigungen von 9%. Was halt so ein Durchschnitt über die Praxis sagt....
Der Anfang war okay, 7 - 8%. Das war alles angenehm. Wetter nicht zu warm (wieso hat der Edge 705 keine Temperaturanzeige???), ich liess eine Kehre nach der anderen hinter mir. Dann ging es zur Erholung ein paar Meter runter. Die kurzeitige Pause wurde an der nächsten Ecke bestraft: 16%. Und nicht schlimm genug, auf den folgenden Kilometern waren es immer so 11 - 12%, 9% waren schon eine Erholung.
Irgendwann musste ich dann mal stoppen. Es war mein erster Pass und ich hatte noch mehr als die Hälfte vor mir. Lieber den Stolz besiegen, als später komplett einzugehen. Nach 5 Minuten ging es weiter. Leider wurde es auch immer kühler, 8 Kilometer vor der eigentlichen Passhöhe, lockte eine kleine Imbissbude zur Pause ein. Da es eh gerade flach war, stoppte ich. Von dem merkwürdig riechenden Käse und Schinken liess ich die Hände, aber Trinken war willkommen. Der Verkäufer reagierte auf den Wunsch nach Wasser unwirsch - kein Wunder, überall standen Weingläser herum - dafür gab es eine Fanta. Dann begann ein landschaftlich wunderschöner Teil. Kleine Tunnel, Wiesen. Toll. Und bei moderaten 7 - 8 % war auch ein wenig Zeit zum geniessen - das grosse Ritzel immer schön tretend. ;-)
Plötzlich hörte ich Glocken, ich erwartete hinter der nächsten Kehre schon Einheimische, die den Fremden anfeuern wollten. Doch es war nur eine riesige braune Kuh, die gemütlich Gras knabberte. Ich liess mich dennoch antreiben und dann war ich auch schon oben. Dort unter tief hängenden dunklen Wolken und im eisigen Wind merkte ich: Der Weg ist das Ziel. Die Passankunft, doch eher unspektakulär. Da hatte ich doch mehr erwartet. Dass mir der Berg noch etwas spezielles zu geben hatte, konnte ich da ja noch nicht ahnen.
Also auf in die Abfahrt - jetzt kam Freude auf, auch weil ich wusste nun kommt nix grosses mehr. Nach ein paar Kilometern rasender Fahrt - ungewohnt sich mit mehr als 13 k/mh zu bewegen ;.) - noch der Zwangstopp am Bocca die Nova. Von der Stelle hat man einen berauschenden Blick auf den Gardasee, der 1.200 Meter unter einem schlummert. Da wollte ich jetzt auch hin und fuhr weiter. Und dann kam der Tiefpunkt.
Da, wo wohl noch vor ein paar Tagen eine gut geteerte Strasse war, klaffte ein riesen Loch. Geröll, Bäume Steine hatte die Strasse einfach weggerissen. Jetzt verstand ich die Warnschilder weiter vorn. Im jugendlichen Leichtsinn, hatte ich sie nicht nur ignoriert, sondern auch noch gedacht: Ach, sicher nur eine Baustelle - geht schon. Nix da. Und dann wurde mir klar: Ich muss alles wieder zurückfahren. Die rauschende Abfahrt bis hier hin, kostete mich nun unnötigen und nicht eingeplanten Schweiß. Gut für die Sammlung von Höhenmetern, schlecht für meine Energiespeicher. Nun erklomm ich also innerhalb kurzer Zeit zum zweiten mal den Pass - auch diesmal hielt ich nur, um Weste und Armlinge zu richten - dann rein in die Abfahrt. Auch das für mich eine echte Premiere. Am Anfang fuhr ich recht zögerlich. Als dann plötzlich ein leicht verbrannter Geruch vom Vorderreifen zu mir aufstieg, fiel mir der oft gehörte Tipp ein: Bremsen immer wieder lösen, sonst werden sie zu heiß. Gesagt, getan, nun ging es deutlich flotter runter, so flott, dass ich hinter manchem Auto bremsen musste, weil die Dame meine alte Taktik fuhr.
Unten in Mori war es dann wieder deutlich wärmer. Oben hatte ich noch gefroren. Jetzt nur noch nach Torbole rollen - dachte ich mir und hätte es besser wissen müssen. Da mir der Edge an der Passhöhe abgestürzt war (plötzlich war er aus und das wiederholt. Erst als ich die Navigation beendete ging es wieder - doch später war die Datei defekt, laden auf den Rechner ist nicht möglich :-( ) schaute ich nicht auf die Karte. Im Hochgefühl des ersten Passes fuhr ich nach Nase. Was für ein Blödsinn. Auf der Gegenspur staute sich der Verkehr kilometerlang. So dicht, dass ich glatt die Abfahrt nach Torbole verpasste. Super. Fiel mir erst auf, als links kein See mehr war. Also wieder umdrehen und wieder bergauf. Aber das ging recht flott, so dass ich bald glücklich neben meinem Auto stand und Stopp drückte. Durch die verweigerte Fahrt über Avio, waren es zwar nur 80 Kilometer, aber immerhin 2.000 Hm. Ein guter Start in die nächsten zwei Wochen. ;-)
G.


















