Startvorbereitung:
Blackmagic und ich haben uns ein nettes Quartier für das Rennen ausgesucht: Das Elbflorenz in Dresden. Zu Fuß waren wir innerhalb von 15 Min. beim Landtag und haben dort die Startunterlagen abgeholt. Für Charlie und Fischi konnte ich sie nicht in Empfang nehmen, da die beiden selbstständig den Erhalt quittieren mussten. Wir haben Falcon bei der Anmeldung getroffen und noch schnell ein Eis zu uns genommen. Meine Freundin bekam dann Hunger und flugs verabschiedeten wir uns vom Mitstreiter und stiegen unter seinen erstaunten

und leicht amüsierten

Blicken in ein Fahrradtaxi ein

, um in die Neustadt zu gelangen und dort zu essen. Diesmal gab es nur zwei Alster und ein 250g Schnitzel, denn es sollte ja sehr heiß werden am Sonntag.
Sonntag bin ich schon gegen 05.30 aufgeregt um meine Blue Endorfin herumgeschlichen, habe alles noch einmal überprüft und schon mal das erste Frühstück mit « Liter Wasser und Powerbarriegel und Schokoriegel aus dem Fundus der Einschreibung zu mir genommen. Pünktlich um 06.20 habe ich Blackmagic aus dem Bett katapultiert

, denn ich hatte die Befürchtung, dass wir sonst zu spät zum Start kommen würden...und ein bisserl aufgeregt war ich auch schon

.
Um 07.30 sind wir losmarschiert/gefahren Richtung Start. Es war kühl mit 18C und ich habe noch eine Windweste getragen und habe mich schön warm gefahren. Um 07.50 war ich in der Startaufstellung: schön rechts, so wie ich es allen Teammitgliedern gesagt hatte und keiner war da

. Charlie sah ich erst 10 Minuten später auf mich zukommen, just in dem Moment kam auch Falcon. Generalstabsmäßig wurden alle Fahrer um mich herum aufgefordert zusammen zu rücken, damit das Team ?JEDER-MIT-SEINEM-EIGENE-TRIKOT? zusammenstehen konnte

. Fischi wollte nicht mitmachen und hat sich links eingestellt. Blackmagic hat die tollen Fotos geschossen und Filme gedreht, siehe oben. Ritzelconnection und Tarmac haben uns viel Glück gewünscht, wir den beiden auch, aber leider hat es nichts geholfen bei Tarmac. Ich wünsche Dir schnelle Gesundheit und auf das Du bald wieder mit Freude Rennrad fährst, mein lieber Sportskamerad!!!!!
Start:
Es ging los. Der Puls begann bei 140 und blieb dann erst einmal konstant bei 170-180 Schlägen. Grund war Charlie

: Ich klebte 5cm hinter seinem Hinterrad und gab es die nächsten 12km nicht mehr frei. Schnell überholten wir Züge an Fahrern, die ebenfalls nach vorne wollten oder nicht so schnell fahren konnten. Ein Picadellicszug begann an uns vorbeizudrängeln. Das ließ sich Charlie nicht bieten, diese Schmach, und zog wieder vorbei

. Meine Umdrehungen müssten in diesem Moment jenseits der 120 gewesen sein, denn ich bewegte mich so rund auf Blue Endorfin, dass die Picadellics schnell hinter mir den Lutscher spielten, freiwillig!!
Dann war Charlie weg, aber wir hatten das Feld erreicht und das wollten wir ja auch. Vor mir war Fischi, also war ich in guter Begleitung. Das Tempo war hoch, so zwischen 42 und 50 km/h. Eigentlich war es einfach im Feld mitzuschwimmen, aber die Aufregung, zu hohe Gänge und eine stärker werdende Unruhe im Feld ließ meinen Puls in Obachtstellung bei 170 Schlägen

. Dann kamen die Strasseninseln. Beim ersten Mal ist noch nichts passiert. Allerdings ist das Feld schon runter auf 30 gebremst. Dann kam die zweite Insel bei ca. km 20. Vor uns stauchte das Feld zusammen. Ein Fahrer vor mir sprang auf den Bürgersteig, gefühlte 15cm hoch, ich hinterher. Hinter mir quietschte es und einer knallte ungebremst in meinen vorherigen linken Nachbarn rein. Mehr habe ich vom Schreien, Klirren, Sprengen und Gestöhne nicht mitbekommen. Falcon hat es allerdings live mitbekommen, ohne Schaden zu nehmen.
Nun ging es langsam bergan und es wurde zunehmend anstrengender. Irgendwann ließ ich abfallen und wählte mein eigenes Tempo. Ich war überrascht, wie schnell da immer noch Züge von hinten an mir vorbeizischten

. Aber ich kannte die se neue Strecke nicht und war lieber vorsichtig, denn ich wusste ja, was noch auf mich zukommen würde. Manchmal sprang ich zwar auf einen Zug auf, aber ließ dann schnell wieder los.
1. Verpflegungstelle:
Nun kam eine Linkskurve, genau dahinter befanden sich 2 Partytische mit kleinen Bechern und 3 Damen, die diese an uns Radfahrer weitergegeben haben. Das hier Fischi und Charlie nichts mitbekommen haben, war klar, allerdings fuhren die ja auch in einer anderen Liga.
Einen Becher trank ich, der 2. war für meinen Kopf und der 3. war für meine mit Schweiß versaute Brille. Danke für Eure Drinks, Fischi und Charlie

.
Nun ging es Berggießelhübel nach oben. Einen Wellengang der Gefühle. Immer wieder 6-10% und dann wieder flach, aber das Ding hat mich Körner gekostet. Bei Bad Gottleuba hatten wir die alte Strecke wieder. Ich wusste, dass nun Breitenau, die erste Prüfung anstand. Ich überfuhr die Brücke und hatte schon Kette links. 2 Mitfahrer lachten, schalteten Kette rechts und gaben Gas. 100m weiter überholte ich, lachte und hatte saubere Hände, denn die armen Männer standen am Wegesrand und mussten die Ketten draufspannen, die Ihnen beim Schalten in der 10%-Steigung abgefallen sind. Naja, sie haben mich dann wieder überholt, aber sie wünschten mir keine Gute Fahrt? mehr.
Bärenstein und Anfahrt Altenberg:
Der erste Klopper wurde besiegt. Nun kam Bärenstein mit den Pflastersteinen. Meine Beine rotierten noch ganz angenehm, keine allzu feste Muskulatur und immer bedacht bei Abfahrten vor die Gruppe zu kommen, denn bei Anstiegen bin ich halt nicht der Allerbeste. In Bärenstein waren viel Zuschauer und da fährt es sich dann schon ein bisschen besser. Ich erwischte eine Gruppe, mit der ich bis zu den Sepentinen von Altenberg mitrollern konnte. Herrlich

, wie die alle auf der rechten Seite gefahren sind, der Wind kam auch noch von rechts und ich suchte mir den größten Mann im Zug aus und setzte mich links neben ihn

. So trullerten wir mit abnehmenden 26km/h hinauf nach Altenberg. Hier war ich um einiges langsamer als letztes Jahr, aber da hat es auch geregnet und es war 10 Grad kühler.
In Altenberg wurden wir wieder von den Zuschauern umjubelt. Recht oft musste ich die Hand zum Gruße heben

, aber dennoch wurde ich nicht mit Wasserfontänen, wie sonst üblich bei Bergankünften, erfrischt

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Bobbahn:
Es ging die Abfahrt runter zur Einfahrt Bobbahn. Meine Freunde mit den gelben Flaggen und den Trillerpfeifen wurden meinerseits jedenfalls bejubelt bei über 60km/h. Was sie mir entgegenbrüllten konnte ich bei dem Fahrtwind nicht verstehen. Einer von denjenigen, die das erste Mal diese Abfahrt gefahren sind, auch nicht: er schaffte es zwar noch, die Kurve anzufahren und so die Zuschauer unbehelligt zu lassen, aber rutschte mit beiden blockierten bremsen den Abhang runter auf den ungeteerten Parkplatz. Tipps von den Mitfahrern, Genesungssprüche und ungläubige Blicke hatte der Kerl sicher auf seiner Seite. Er hat mich übrigens nicht mehr überholt.
Ab hier wurde langsam getreten. Alle gingen in Gedanken die Bobbhan noch einmal durch den Kopf. Ein kleiner Junge mit seinem Vater hat mit den lauten Rufen ?Tretet, ihr Dopingesser? noch mal mächtig für Konzentrationsschwäche hinsichtlich der Bobbahn gesorgt und für nicht jugendfreie Ausrufe gesorgt

. Ich habe ihn abgeklatscht und bekam warmes Wasser dafür ins Gesicht. Zumindest war der Schweiß erst einmal weg.
Dann kam der Eingang. 10 Rrfahrer standen da an. Mussten wir Geld bezahlen? Ich hörte einen beim Vorbeifahren nur: ?Wie sollen wir denn da raufkommen??
Dann sah ich den ersten Anstieg. Ich erschrak. So steil hatte ich den nicht in Erinnerung. Ich fuhr schön 27/34 in den Berg rein. Eigentlich war ich der einzige, der fuhr. Es ging rechts um die Kurve und da waren die 23%.......und ich schob das erste Mal

. Oben angekommen wurde es flacher, also rauf aufs Rad und treten. Ich kam recht weit, dann wider so ein senkrechte Klippe und ich musste wieder runter

. Ich erfreute mich meiner Pulswerte. Zu Fuß schön 170 Puls. Mann war ich entspannt.
Oben angekommen gab es zu Trinken en masse. Ich habe hier die Zeit genommen, meine Flaschen komplett wieder zu füllen, sie waren ja auch komplett leer!!!! Ich habe mir noch eine Flasche geben lassen und habe geschworen, dass ich die wieder abgebe. Bin aufs Rad und Losgefahren. Dabei habe ich erst einmal die Flasche ausgesoffen und am Wegesrand abgestellt. Als ich losgefahren bin, bremste hinter mir einer quitschend und fluchte, das da kaum noch was drinnen war. Tja, wer sich nicht die Zeit nimmt, dort aufzutanken und keine private (Picadelics-)Wasserspendertruppe aufgestellt hat, selbst schuld. Ich brauchte da oben nur 2 Minuten.
Jetzt war das Schlimmste vorbei, aber nun kam das unangenehme. Abfahrten ohne Windschattenspender. Hier gibt es fast keine Gruppen mehr und wenn sich eine gefunden hat, dann fuhren die entweder so schlecht bergab oder die heizten die Hügel so unbarmherzig nach oben, dass jedes Mal die Gruppe sich wieder finden musste. Und das hat Körner gebraucht, zu viele. Ab Oberfrauendorf bin ich dann lieber alleine gefahren, denn als ich dachte, einen Mitfahrer gefunden zu haben, fragte er, wie man die Krämpfe aus beiden Beinen raus bekäme. Das wollte ich dann doch nicht bei ihm machen.
Pesterwitz oder warum eiskaltes Wasser so gut tut:
Nun kamen wir nach Freital rein und langsam bekamen wir den Gegenwind zu spüren. Mir war mittlerweile vieles egal. Ich wollte irgendwie auch nicht mehr richtig wahrhaben, dass es gleich noch mal richtig wehtun wird. Ich rollte auf die Erhebung Pesterwitz zu. Rechts um die Kurve fahrend türmt sich die Strasse gen Himmel empor. Engel waren allerdings nicht zu sehen, noch nicht. Erst einmal hielten die Teufel Krampf und Laktat Einzug in meine Beine, aber ich kämpfte, bin ja auch Löwe.
Dann kamen die Engel: Gruppen von Anwohnern mit Wasserbechern. Ich bettelte um Wasser bei 12%. Sie wollten es mir geben, aber ich jammerte: ?Ins Gesicht, auf den Rücken, auf den Kopf.? Ich bekam, was ich verdiente: Eiskaltes Wasser, kaum bekam ich Luft, aber es erfrischte. Plötzlich rannte ein Mann hinter mir her und schüttete mir einen 10l-Eimer über den Körper. Ich schrie auf

, dachte doch, was für Fische da in meinem tief geöffneten Trikot hineingeraten waren. ..... Es waren keine Fische, sondern Eiswürfel. Drei habe ich in den Helm gesteckt, der Rest ging auf den Teer.
Ich sah schon das Ende des Himmelanstieges und dann machte der linke Oberschenkel zu. Dankeschön war meine erste Reaktion. Das letzte Mal berührten die Schuhe den Asphalt

und ich kroch samt Rad die letzten Meter nach oben. Ich fragte noch eine alte Frau am Wegesrand, wie man hier wohnen könne. Als Antwort bekam ich zu hören: ?Oben, junger Mann, schaffe selbst ich den Berg, da ist es nimmer mehr so steil?. Große Worte, keine Gegenworte

.
Nun ging es nur noch bergab Richtung Ziel. Ich bekam noch 2 Mitfahrer, der eine wollte es noch mal wissen und durfte schön im Wind fahren. Der Tunnel war so dermaßen geil kühl, dass ich da am liebsten stehengeblieben wäre.
Dann kam das Ziel und ich purzelte glücklich unter einem Baum im Schatten. Gleich hinter mir saß Checker, ein Fahrer aus dem C4F-Forum, der 19. geworden ist. Er grüßt

seine Haudegen peso und barus und alle, die ihn kennen.
Ich benötigte 2 Mahlzeiten und 3 Stunden Schlaf, bis ich wieder ansprechbar war. Blackmagic hatte Falcon noch vom Landtag gekratzt und zu mir gebracht. Er ist eine tolle Zeit gefahren. Unser Team ist 10. geworden. Wäre ich 3 Minuten schneller gewesen, so wären wir einen Platz näher an die 1 gekommen.
Während des Rennens habe ich 7 Gels gegessen und 5 Flaschen Wasser + Zusatzflasche getrunken.
Ein tolles Event, leider mit einer der hässlichsten Trinkflasche als (give)wegwerfaway, aber sonst wieder perfekt organisiert.